Unter Palmen

Bild der 14. Woche - 2. bis 9. April 2001

Palmesel, Köln um 1500 Holz, Museum Schnütgen, A 124

Wenn heute die Straßen Kölns von Menschen gesäumt sind, geschieht dies meist für Politiker oder Popstars, die vage hinter verdunkelten Autofenstern zu erkennen sind oder "das Bad in der Menge" suchen. Könnte man die Zeit 500 Jahre zurückdrehen, sähe man vielleicht, wie am nächsten Sonntag, dem Palmsonntag, diese Ehre auch einer hölzernen Christusfigur auf einem ebenfalls hölzernen Palmesel zuteil wird. Der segnende Christus auf dem Fahrgestell wird durch die Gassen gezogen und die Gemeinde St. Columba bedeckt als Vertretung des Volkes Jerusalem den Prozessionsweg mit Palmzweigen und geleitet so den Herrn unter Jubelrufen in bzw. durch die Stadt. Diesem Schauspiel liegt der biblische Bericht des Einzuges Jesu in die Stadt Jerusalem zugrunde. Der Evangelist Matthäus (Mt 21,7ff) schreibt: "Sie brachten die Eselin und das Füllen, legten ihre Mäntel darüber, und er setzte sich darauf. Die übergroße Volksschar aber breitete ihre Kleider auf den Weg aus, andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Und die Scharen, die ihm vorausgingen und nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohne Davids. Gepriesen, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe." An diesen triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem wird in der christlichen Liturgie am Palmsonntag, 14 Tage vor Ostern und eine Woche vor der Passionswoche gedacht. Neben dem Zeichen der Verehrung geht es vor allem darum, den Kontrast zwischen dem "Hosianna"-Ruf und dem "Kreuzige ihn"-Ruf des Karfreitags deutlich zu machen. Neben den noch heute geübten Bräuchen, gab sich die Kirche seit dem frühen Mittelalter viel Mühe, dem Gläubigen die in den Evangelien beschriebene Heilsgeschichte bildlich vor Augen zu führen. Am Heiligen Abend, Weihnachten, legte ein Priester die Figur des Christuskindes beispielhaft in die Christuskindwiege, am Karfreitag versenkte ein Geistlicher einen nachgebildeten Leichnam in das Ostergrab und am Tag der Himmelfahrt zog man das Bild des Auferstandenen durch ein Loch im Kirchengewölbe empor. Zehn tage später dann, an Pfingsten, kam eine silberne Taube, stellvertretend für den Heiligen Geist, durch dieses ‚Himmelsloch' auf die Gemeinde herab. Menschen wollen sehen, an was sie glauben, und so waren diese handelnden Bildwerke neben Prozessions- und Passionsspielen mit lebenden Darstellern eine geeignete Inszenierung. Obwohl sich keine Reliquien in ihnen befanden, wurden sie während der Prozession von den Gläubigen verehrt. Neben dem Hinweis auf die Volksfrömmigkeit in der Vorreformatorischen Zeit um 1500 stellt dieser Palmesel, heute im Kölner Museum Schnütgen zu sehen, ein hervorragendes Zeugnis für die spätgotische Schnitzkunst in Köln dar. Dies wird besonders in der detailgetreuen und qualitätsvollen Ausarbeitung deutlich.

H. IrmerT. Nagel