Was wäre wenn ...

Bild der 51. Woche - 18. bis 25. Dezember 2000

Carl Begas - Selbstbildnis des Malers mit Johann Peter Weyer, 1813?, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm; Köln, Wallraf-Richartz-Museum, WRM 2340
 

Begeisterung für die Kunst ist kein Privileg der Reichen. Eine gute finanzielle Situation ermöglicht es jedoch, die Begeisterung mit Sammelleidenschaft zu verbinden. Der 1794 in Köln geborene Johann Peter Weyer war einer jener kunstbegeisterten Kölner, denen die Stadt in der Zeit nach der Auflösung so vieler Kirchen und Klöster 1802 wegen der Rettung so manchen Kunstwerkes viel verdankt. Nach einer künstlerischer Ausbildung in Köln und Paris arbeitete er in Köln als Gehilfe des Kölner Stadtbaumeisters Peter Schmitz. Als er 1822 selbst Stadtbaumeister wurde, erhielt er die finanziellen Ausstattung, um bei Versteigerungen oder sonstigen Gelegenheiten, seine Sammlung aufzubauen. Stück um Stück trug er in den folgenden 40 Jahren eine Gemäldesammlung zusammen, die neben derjenigen Ferdinand Franz Wallrafs die zweitgrößte Kölns wurde. Bereits Anfang der 1840er Jahre hatte diese einen derart großen Umfang erreicht, dass Weyer neben seinem Wohnhaus eine eigene Galerie errichten konnte, die zwei Jahrzehnte vor dem Wallraf-Richartz-Museum als erster - wenn auch privater - Museumsbau Kölns und als einer der frühesten bürgerlichen Museumsbauten Deutschlands gelten kann (s. kleines Bild). Johann Peter Weyer erweiterte seine Sammlung nicht nur, er legte auch großen Wert auf eine Dokumentation der Werke. 1852 ließ er den ersten Katalog seiner Gemälde drucken. Ferner unternahm er Anstrengungen seinen Kunstbesitz in Abbildungen zu reproduzieren von denen eine stattliche Anzahl noch erhalten ist. Unter den Künstlernamen seiner Kunstschätze findet man neben vielen Werken unbekannter Meister des 15. Jahrhunderts eine Fülle bedeutende Namen: Bruyn, Canaletto, Conrad von Soest, Cranach, Crespi, Dürer, Gerard David, Grünewald, Hals, Hemskerk, Holbein der Ältere, Jordaens, Mantegna, Massys, Memling, Murillo, Poussin, Rembrandt, Reni, Ribera, Rubens, Schongauer, Teniers der Jüngere, Tiepolo, van der Goes, van der Weyden, van Dyck, van Eyck, Velasquez, Watteau, alle nicht nur mit Einzelwerken vertreten. Auf dem Höhepunkt seiner Sammelleidenschaft besaß Weyer fast 600 Objekte. Sein Privatmuseum rückte nicht nur wegen der hochkarätigen Sammlung in die Nähe eines öffentlichen Museums. Weyer erlaubte den Interessierten auch Zutritt zu jeder Tageszeit. Dieser Umfang an Werken hatte seinen Preis und Johann Peter Weyer musste das Geld für seine Käufe erst einmal aufbringen. Neben seiner Besoldung als Stadtbaumeister hatte er Einnahmen als Architekt. Daneben beteiligte er sich auch an umfangreichen Immobilienspekulationen. Als Weyer 1862 den Plan faßte, sein Sammlungswerk der Stadt Köln zum Geschenk anzubieten, um damit den auf dem Nachlass Ferdinand Franz Wallrafs aufbauenden Bestand des städtischen Museums zu erweitern, war die Katastrophe jedoch nicht mehr weit. Der Sammler hatte sich verspekuliert. In finanziellen Nöten mußte er im Oktober des gleichen Jahres sein Haus und den größten Teil seiner Sammlung versteigern lassen. Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Beginn der Versteigerung seines Lebensinhaltes starb Johann Peter Weyer im Alter von 70 Jahren. Seine Schenkung hätte ein Weyer-Wallraf-Museum zu einer der bedeutensten Gemäldegalerien der Welt gemacht. Heute beheimatet das Wallraf-Richartz-Museum 11 Werke aus der ehemaligen Sammlung Weyer, darunter auch das hier gezeigte Werk von Carl Begas, vermutlich von 1813. Es zeigt den Maler im Hintergrund und seinen Freund und Pariser Studienkollegen Johann Peter Weyer im Vordergrund. Der restliche Teil der Werke wurde - ausgehend von der Versteigerung 1862 - über die Museen und Sammler der Welt verstreut.

T. Nagel