Das Malerviertel

Bild der 9. Woche - 28. Februar bis 3. März 2000

links: Ansicht der Schildergasse um 1840/50, Zeichnung von Franz Anton Kreuter, um 1840/1850, Historisches Archiv der Stadt Köln, Plankammer 1/337/83, Malernamen eingefügt nach Wilhelm Keussen, Topographie von Köln, 1910. Rechts: Ausschnitt aus: Arnold Mercator, Die Stadt Köln in Vogelansicht von Nordosten, 1571, Kupferstich, Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1984/857

Das heutige Bild der Woche soll sich mit dem Malerviertel von Köln beschäftigen - nicht mit dem sogenannten Malerviertel im Kölner Süden, einer Vorstadtgegend, in der Straßen den Namen von bekannten Malern tragen. Es geht viel mehr um eine der bekanntesten Straßen Kölns, die Schildergasse, auch wenn in dieser Einkaufsstraße heute nichts mehr auf ein Malerviertel hindeutet. In mittelalterlichen Städten war es üblich, dass die Genossen eines Handwerks gemeinsam in einer Straße oder in einem Viertel wohnten. Straßennamen wie Unter Taschenmacher, Unter Goldschmied oder Fleischmengergasse weisen noch auf diesen Brauch hin. Die mittelalterlichen Maler Kölns wurden Schilderer genannt und gaben so dieser Straße ihren Namen. Stets mehr als die Hälfte der Kölner Maler wohnten und arbeiteten in dieser Straße. Auch wenn die Schildergasse nicht vollständig in der Hand der Malerzunft war - hier wohnten z. B. auch Brauer, Fleischer und Lederzuschneider - , so konzentrierte sich in diesem Straßenzug schon deswegen das Leben der Maler, weil hier seit 1452 auch das stattliche Zunfthaus der Malerzunft lag (Haus Rosenbaum, Schildergasse 15). Auch ein großer Teil der Glaswörter (Glasmaler) und der Wappensticker (Bildsticker), die ebenfalls zur Zunft der Maler gehörten, wohnte und arbeitete in der Schildergasse. Das Zusammenleben der Maler in der Schildergasse hatte mehrere positive Effekte. So erleichterte es die Durchsetzung der Zunftordnung, die z. B. verbot, dass ein Maler das gesamte Angebot an bestimmten Farbzutaten aufkaufte und andere dadurch leer ausgingen, oder die einem Maler verbot, sich ohne Prüfung seiner Fähigkeiten in Köln mit eigener Werkstatt niederzulassen. Darüber hinaus konnten in dieser engen Nachbarschaft auch neue handwerkliche Techniken oder Bildthemen ausgetauscht werden. Die gegenseitige Kontrolle kann aber auch mit zu der an den Gemälden zu beobachtenden Eigenart beigetragen haben, dass innovative Neuerungen der europäischen Malerei nur sehr zögerlich in die Kölner Malerei des Mittelalters aufgenommen wurden. Aus den erhaltenen Besitz- und Steuerurkunden lassen sich mit den Häusern der Schildergasse eine ganze Reihe von Malernamen verbinden. So übernahm z. B. Hermann Wynrich von Wesel 1378 eine Haushälfte seines verstorbenen Meisters, des Malers Wilhelm von Herle, indem er diese den Erben abkaufte. Die verbleibende Hälfte "erwarb" er schließlich, indem er die Witwe seines ehemaligen Chefs heiratete - ein nicht seltenes Verfahren, um dem jungen Maler die Werkstatt und der Witwe die Versorgung zu sichern. Immer wieder wurden Häuser an Maler weitervererbt oder weiterverkauft. Dabei kam es bei wohlhabenden Malern fast schon zu Häuserhäufungen. Von den drei Söhnen Johann, Peter und Wynand des Malers Heydenrich Groene ließ sich Wynand 1351 in der Schildergasse nieder. 1377 übernahm Peter das Haus seines verstorbenen Bruders und erwarb 1385 ein weiteres Haus in dieser Straße, 1389 ein drittes. Ein weiteres Beispiel: Johann Platvoys I. war der Sohn des Malers Hildeger Platvoys. 1334 kaufte er zwei Häuser auf der Schildergasse. Diese erbte 1361 sein Sohn und Maler Johann Platvoys II. Im Laufe seines Lebens kaufte dieser insgesamt 6 Häuser in dieser Straße, von denen er immer wieder welche verkaufte. Johann Platvoys III. erbte zwar keine Häuser von seinem Vater, da ihn dieser ausbezahlt hatte, er erwarb jedoch zwei Häuser in der Schildergasse, als seine Frau diese von ihrem Vater erbte. Es wäre sicherlich hoch interessant, die Werke nebeneinander wohnender Maler stilistisch zu vergleichen, um zu untersuchen, wie sehr die Maler sich an den Werken ihrer direkten Nachbarn orientierten. Dies ist jedoch nicht möglich, da wir für die Zeit der malerischen Blüte im 14. und 15. Jahrhundert zwar die Namen der Maler kennen, aber - mit Ausnahme Stefan Lochners - nicht sagen können, welches Werk von welchem Maler stammt. Zu dieser Zeit war es in Köln noch nicht üblich, Gemälde zu signieren. Die Schildergasse verläuft noch in ihrem heutigen Verlauf in etwa im rechten Winkel zur Hohen Straße und zeugt damit (wie auch Breite Straße, Agrippastraße, Brücken-, Sternen- und Glockengasse) von der rechtwinkligen Straßenplanung des Römischen Kölns. Sie ist also römischen Ursprungs und gehört mit einem Alter von ca. 2000 Jahren zu den ältesten Straßen Kölns.

T. Nagel