Beste Prognosen für 2000

Bild der 5. Woche - 31. Januar bis 7. Februar 2000

Tosa Mitsutsugu (tätig um 1592-1595), Drache, sechsteiliger Stellschirm des Paars "Drache und Tiger", Japan, Momoyama- oder frühe Edo-Zeit, Tusche auf Papier, 155 x 354 cm Köln, Museum für Ostasiatische Kunst, Inv. Nr. Aa 6

Zögerlich, fast verstohlen taucht der Drache aus den Wellen des Meeres hinter einem Felsen auf. Die vorstehenden, runden Augen sehen traurig unter dichten, buschigen Augenbrauen hindurch. Er wirkt betagt, Haarbüschel sprießen aus seinen Kuhohren, und sogar aus den Nüstern! Die Form des langgestreckten, schmalen Kopfes mit dem elegant nach hinten geschwungenen Hirschgeweih erinnert an einen traurigen, alten Hund, die Nase dagegen wieder an eine Kuh. Tentakel eines Karpfen prüfen vorsichtig die Luft der Umgebung. Hinter dem schlangenartigen Ansatz bleibt der weitere Körper geheimnisvoll im Nebel verborgen. Einzig in seinen dolchartigen Klauen, die wie überdimensionale Vogelkrallen aussehen, könnte man etwas Bedrohendes hinein interpretieren. Aber sonst macht der Drache nicht den aus der europäischen Mythologie gewöhnten feindlichen, bösartigen Eindruck. Er ist eher liebenswert und sieht schon etwas alt und schwächlich aus. Man glaubt ihm zwar, daß er sich den Winter über in der Erde ausgeruht hat, nicht jedoch, daß er gerade so kraftvoll aus der Erde ausbricht, daß sein Donnerlärm den Frühlingsregen mit dem jungen, frischen Grün auslöst. Und schon gar nicht, daß er yang, die männlich-zeugende Energie und Lebenskraft, symbolisiert. Mitsutsugus Drache wirkt eher wie eine possierliche Karikatur. Mitsutsuges, dieser japanische Maler der berühmten Tosa-Schule des 16. Jahrhunderts, war nicht nur mit dem chinesischen Malstil vertraut, sondern übernahm auch eins der beliebtesten Fabeltiere aus China. Im Ursprungsland China war das Drachensymbol seit altersher wichtig, nicht nur als Symbol der kaiserlichen Autorität, sondern auch im Alltag als allgegenwärtiges, glückverheißendes Motiv. Seine fruchtbarkeits- und glückverheißende Wirkkraft macht den Drachen zum populärsten Zeichen des chinesischen Tierkreises. Menschen, die im Jahr des Drachen geboren wurden, sollen einen kühnen Geist und eine großzügige Gesinnung haben. Chinesisches Neujahr Mit dem 5. Februar 2000 beginnt nach traditioneller chinesischer Zeitrechnung das Jahr des Drachen. Die Chinesen versuchen bereits seit über zweitausend Jahren zwei unvereinbare Zyklen zusammenzubringen: das Sonnenjahr und das kürzere Mondjahr (ca. 354 Tage). Nach dem chinesischen Sonnenkalender beginnt der Frühling am 5. Februar. Der Neumond, der diesem Datum am zeitnächsten steht, markiert den Beginn des nächsten Mondjahres. Das chinesische Neujahr fällt daher immer auf einen Tag zwischen den 22. Januar und 19. Februar. Das Jahr 2000 steht nun nicht nur unter dem besonders glückverheißenden Zeichen des Drachen. Als weitere Besonderheit fällt der Neujahrstag genau mit den Frühlingsbeginn des Sonnenjahres, dem 5. Februar, zusammen, dem Tag, an dem der Drache aus der Erde ausbricht, also die besten Prognosen für 2000.

B. Clever