Kölnischer Erfindungsgeist

Bild der 18. Woche - 3. bis 10. Mai 1999

Eugen Langen, Photographie von Nicola Tonger, um 1890, 15,7 x 10,6 cm, Kölnisches Stadtmuseum - Graphische Sammlung

(Karl) Eugen Langen (Köln 1833 - 1895), ein Sohn des Kölner Industriellen Johann Jakob Langen und der Johanna Maria geb. Gustorff, tat sich in der väterlichen Friedrich-Wilhelms-Hütte in Troisdorf als auch finanziell erfolgreicher Erfinder hervor. In Köln nannte man ihn den "Patent-Langen". Sein bekanntestes Projekt war der Entwurf einer Schwebebahn, deren Realisierung im Wuppertal er kurz vor seinem Tod noch erleben durfte. Langen starb 1895 an einer Fischvergiftung, die er sich bei der Einweihungsfeier des Nordostseekanals zugezogen hatte. 1862 hatten ihn sein Ruf als erfolgreicher Vermarkter und sein Interesse an Gasmotoren mit Nicolaus August Otto (1832 - 1891) zusammengebracht. Beide gründeten in Köln 1864 die N. A. Otto & Cie. KG, die erste Motorenfabrik der Welt, aus der 1872 die "Gasmotorenfabrik Deutz AG" wurde. Langens eigentlicher geschäftlicher Kernpunkt war jedoch seit den 1860er Jahren die (Rüben-)Zuckerindustrie. 1870 hatte er sich mit Emil und Valentin Pfeifer in Elsdorf bei Düren zur Gründung einer neuen Fabrik unter dem Namen "Pfeifer & Langen" zusammengetan, die den gesamten Produktionsprozeß von der Rübe bis zum Zuckerwürfel umfaßte. Als Langen sich mit seinem Bestreben nach Schutzzöllen (soweit sie nicht Getreide betrafen, denn billiges Getreide bedeutete hoher Getreideverbrauch und damit einher ging hoher Zuckerverbrauch) in der Kölner Handelskammer nicht durchsetzen konnte, gründete er 1881 den "Verein der Industriellen im Regierungsbezirk Köln". Dies war nur konsequent, da der außerordentlich autoritär, wenn auch gepaart mit patriarchalischer Fürsorge, denkende Unternehmer der erstarkenden Arbeiterbewegung mit großem Mißtrauen begegnete. 1870 bis 1895 war er Stadtverordneter in seiner Vaterstadt. Außerdem engagierte er sich für deutsche Kolonien in Afrika und der Südsee. Die hier gezeigt Porträtaufnahme im Besitz des Kölnischen Stadtmuseums stammt von Nicola Tonger und wird um 1890 datiert. Sie zeigt Eugen Langen im Alter von etwa 57 Jahren und trägt dessen Unterschrift.

R. Wagner