Kindersegen im neuen Jahr?

Bild der 50. Woche - 7. bis 14. Dezember 1998

Das Einhorn bringt Knaben (Qilin songzi), frühes 20. Jh. Chinesischer Farbholzschnitt auf Papier, 51 x 29 cm Sammlung Florian Zgainsky

Fröhlich reiten zwei kleine, festlich gekleidete Jungen auf einem Einhorn (qilin) herbei, dem guten Omen für Kindersegen und Reichtum. Der größere der beiden hält mit der einen Hand einen Band Bücher, mit der anderen einen Mandelblütenzweig bzw. eine Päonienblüte. Diese Symbole drücken den Wunsch aus, daß der Kandidat alle Prüfungen gut bestehen möge und Erfolg im Berufsleben haben möge. Der kleinere der beiden Jungen trägt einen Fächer aus Pfauenfedern in der Hand, der mit dem Glückssymbol Fledermaus (chin.: fu, gleichlautend mit fu = Glück) und mit Drache und Phönix verziert ist. Unter dem Einhorn liegen Kostbarkeiten, wie Münzen, Geldbarren, ein Korallenzweig, ein Bananenblatt und Doppelrauten, die ebenfalls für Glück und Reichtum stehen. Fast scheinen auch die rosaroten Pausbacken der beiden Jungen an die ewiges Leben schenkenden Pfirsiche zu erinnern. Dieser chinesische Farbdruck diente mit einem spiegelbildlichen Pendant als Schmuck für Wände oder Türen zum chinesischen Neujahr. Man hoffte, daß so all die guten Wünsche und Symbole, die darauf abgebildet sind, die Familie durch das kommende Jahr begleiten würden. Den Jahresbeginn feiert man noch heute in China mit der ganzen Familie im Januar oder Februar, an einem nach dem Mondkalender festgelegten Termin. 1999 beginnt das Jahr des Hasen am 16. Februar. Die Neujahrsbilder waren eine vergängliche Kunst, da man die meisten von ihnen zum Jahresbeginn verbrannte und durch neue ersetzte. Aufgrund der sorgfältigen Herstellung dieses Druckes kann man allerdings annehmen, daß er mehrere Jahre verwendet wurde. Im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln ist noch bis 04.04.1999 eine vielseitige Ausstellung dieser farbenfrohen, chinesischen Neujahrsdrucke zu sehen. Sie stammen aus der Sammlung Florian Zgainsky, ehemals Fritz Wiegmann.

P. Rösch