9./10. November 1938 - Zur Erinnerung an die Zerstörung der Kölner Synagoge

Bild der 46. Woche - 9. November bis 16. November 1998

Der Innenraum der Synagoge in der Glockengasse Chromolithographie von J. Hoegg, nach einem Aquarell von Carl Emanuel Conrad, Düsseldorf, um 1861, 60,6 x 47,2 cm, Kölnisches Stadtmuseum - Graphische Sammlung, HM 1899/191

Rückkehr der Juden nach Köln Nachdem die Stadtverwaltung unter französischer Herrschaft das aus dem Jahre 1424 stammende Niederlassungsverbot für Juden in Köln 1797 aufgehoben hatte, wurden im nächsten Jahr die ersten jüdischen Familien dort ansässig. Als dann am 12. Oktober 1801 durch freiwilligen Zusammenschluß von 17 jüdischen Familienvätern eine Gemeinde entstand, wurde die Suche nach einem Betraum zur dringenden Notwendigkeit. Eine erste sehr bescheidene Synagoge wurde 1804 auf einem Teilgrundstück des säkularisierten Klosters des Klarissenordens Maria-Tempel in der Glockengasse eingerichtet. Der Zustand der Gemeindeeinrichtungen blieb in den folgenden Jahrzehnten stets hinter dem rasanten wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg zurück, der zahlreichen Mitgliedern der Kölner jüdischen Gemeinde geglückt war. Der Bau einer Synagoge Der Bau eines der zahlenmäßigen Größe und ökonomischen Bedeutung der Gemeinde angemessenen Gotteshauses konnte erst ins Auge gefaßt werden, als am 10. Juni 1856 der jüdische Bankier Abraham Freiherr von Oppenheim seine Absicht bekundete, "auf dem ganzen Terrain in der Glockengasse eine der Stadt Köln würdige Synagoge auf seine alleinigen Kosten erbauen zu lassen, um sie der [jüdischen] Gemeinde als Geschenk zu übergeben". Oppenheim hatte den Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner gebeten, die Pläne für die neue Synagoge zu entwerfen. Der an der Glockengasse im neoislamischen Stil entstandene Repräsentationsbau diente sowohl der Integration der Kölner jüdischen Gemeinde nach innen als auch der Demonstration jüdischer Identität und jüdischen Selbstbewußtseins nach außen. Während der Einweihungsfeierlichkeiten am 29. August 1861 rief Rabbiner Dr. Israel Schwarz begeistert aus: "Rom hat einst Jerusalem zerstört, und hier im fernen Germanien sind Roms stolze Denkmäler längst verschüttet und auf ihnen erhebt sich die jüdische Synagoge!" Der Innenraum der Synagoge Die Chromolithographie von J. Hoegg, die nach einem Aquarell von C.E. Conrad entstand, führt uns die architektonische Ausstattung und Farbenpracht des Innenraums der Synagoge Glockengasse vor Augen. An der Ostwand des überkuppelten Zentralbaus lenkt unter einem strahlenden Davidstern der Thoraschrein aus weißem Carrara-Marmor die Blicke auf sich. Vor dem Hintergrund der in intensiven Blau-Rot-Gold-Farben gehaltenen Ausmalung, der großen Rosette und des "Firmaments" wirkt der Aron Ha-Kodesch, die Heilige Lade, besonders eindrucksvoll. Alle Bögen im Innenraum zeigen die maurische Hufeisenform. Die zentral aufgestellte Bima, die der Lesung der Thora dient, und die hohen Geländer der gußeisernen, zweigeschossigen Frauenemporen weisen darauf hin, daß die Synagoge in der Glockengasse das Gotteshaus des konservativ orientierten Gemeindeteils war. Die Zerstörung Während des Pogroms vom 9./10. November 1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung völlig zerstört. Auf einem Teil des Synagogengrundstücks erhebt sich heute das Opernhaus. Fundamente des Sakralbaus, möglicherweise auch die luxuriös ausgestattete Mikwe, sind unter dem Offenbachplatz erhalten. Eine Gedenktafel an der Oper erinnert an das ehemalige jüdische Gotteshaus.

E. Pracht-Jörns