Wilhelmsruh und Zucker

Bild der 44. Woche - 26. Oktober bis 2. November 1998

Arbeitersiedlung "Wilhelmsruh" Aquarell von Jakob Scheiner, Köln-Deutz, 1889, 97 x 163 cm, Kölnisches Stadtmuseum
Bonner Starße

Der Bonner Geologieprofessor Dr. Gerhard vom Rath (Duisburg 1830 - 23. 4. 1888 Koblenz), ein tiefreligiöser und karitativ gesonnener Mann, stiftete, da seine drei Söhne und Erben schon im Kindesalter verstorben waren, in Erinnerung an seinen Vater Johann Peter (Duisburg 1795 - 1866 Köln) 450.000 Mark für ein Wohnungsbauprojekt. Im Kölner Süden wurde daraufhin am 24. März 1888 auf der Arnoldshöhe (Ecke Bonner und Gerhard vom Rath Straße) der Grundstein für eine "Arbeiterkolonie" mit zweigeschossigen Häuserzeilen zu je zwei Wohnungen pro Haus in einem großzügig geplanten Umfeld mit Nutzgärten, Höfen, Kleintierställen mit Aborten, gepflasterten Straßen und Parkanlage gelegt. Von den geplanten 80 Häusern wurden bis 1902 jedoch nur 33 mit 95 Wohnungen gebaut. Nach dem verstorbenen "Heldenkaiser" Wilhelm (1798 - 8. 5. 1888) und in Erinnerung an seine soziale Gesetzgebung erhielt die Arbeitersiedlung den Namen "Wilhelmsruh". "Ordentliche und fleißige Arbeiter" vornehmlich des Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication sollten "gegen billige Miete ein gesundes Familienheim" und nach vollendeten Tagewerk Ruhe finden. Bereits drei Jahre nach der Grundsteinlegung lebten hier 40 Familien mit 200 Personen. Der Rheinische Aktienverein war 1864 aus dem Zusammenschluß der vier größten Raffinerien der Rheinprovinz, den Unternehmen Joh. Jak. vom Rath & Söhne, Gebr. vom Rath, Carl Joest & Söhne und Gebr. Carstanjen, hervorgegangen. 1912, als die letzte Kölner Zuckerfabrik des Aktienvereins am Holzmarkt geschlossen wurde und es keine Arbeiter des Aktienvereins in Köln mehr gab, übernahm die Stadt Köln die Stiftung. Noch heute stehen einige der restaurierten Häuser. Der Autofahrer kann einen Blick auf sie erhaschen, wenn er in Köln stadtauswärts über die Bonner Straße zum Verteilerkreis Süd eilt (oder dort vielleicht gerade im Stau steht...)

R. Wagner