Koromo - Stoffe zwischen zwei Welten

Bild der 35. Woche - 24.-31. August 1998

Jürgen Lehl, Seidentuch

Der deutsche Modedesigner Jürgen Lehl, der schon seit über 20 Jahren in Tokyo lebt, gilt in Deutschland noch als Geheimtip, zählt in seiner Wahlheimat Japan jedoch zu den bekanntesten und erfolgreichsten Textildesignern. Vom Tokyo Journal wurde er dort als Textil-Magier gefeiert und in die Liste der erfolgreichsten Ausländer in Japan aufgenommen. In seinen subtilen Kollektionen verbindet sich westliches Design mit fernöstlicher Anmutung und Reduktion auf das Wesentliche. Seine Mode wird durch die vielfältigen Eindrücke aus der Natur bestimmt, die er auf Reisen in viele Länder der Welt einfängt. Lehl beobachtet die Natur mit unglaublicher Faszination und Intensität. Aus diesen Obsessionen gewinnt er die Inspiration für seine Entwürfe. Sein erklärtes Ziel: "back to earth" - den immensen Reichtum der Natur in seinen Kreationen einzufangen und in außergewöhnliche Körperhüllen zu verwandeln. Das Geheimnis dabei sind seine Stoffe. Er benutzt nur Naturfasern von höchster Qualität und läßt alle Stoffe in Handarbeit von kleinen asiatischen Manufakturen herstellen. Mit diesen traditionellen Web- und Färbetechniken, die teilweise sehr alt sind und nur noch von wenigen Menschen beherrscht werden, bleibt die Individualität der hochwertigen Rohstoffe gewahrt. Auf diese Weise entstehen Textilien von solcher Ausdruckskraft und Intensität in Farbe und Struktur, wie sie in der westlichen Modeindustrie kaum erreicht werden. Da alle Stoffe vollkommen von Hand gefertigt werden, ist jede Kreation von Jürgen Lehl ein Unikat - höchster Luxus also nicht nur in der Qualität des Materials, sondern auch in der Einzigartigkeit des Modells. Unser Bild zeigt ein Tuch von Jürgen Lehl, das den Titel der Lehl-Ausstellung in Köln (s. u.) Stoffe zwischen zwei Welten in wunderbarer Weise greifbar macht. Es vereint traditionelle asiatische Techniken der Stoffherstellung mit modernsten westlichen Verfahren des Stoffdesigns. Grundlage dieses Tuches bilden zwei übereinandergelegte handgewebte Stoffe - einer aus Seide und einer aus Baumwolle. Mit Hilfe des sogenannten Devoré-Druckverfahrens wird dann ein Teil der oberen Stoffschicht ausgebrannt. So entsteht ein Muster, in dem der darunterliegende Stoff sichtbar wird. Koromo - Stoffe zwischen zwei Welten ist der Titel einer Ausstellung, die im Museum für Angewandte Kunst, Köln, vom 24. September bis 29. November zu sehen sein wird. Erstmals in Europa zeigt sie einen repräsentativen Überblick aus dem Schaffen des deutschen Modedesigners

A. Pütz