Enge Nachbarn - Asien und Amerika vereint

Bild der 13. Woche - 26. März bis 1. April 2018

Caspar Vopelius von Medebach: Erdglobus, 1542. Kolorierte Holzschnitte in 12 Kugelsegmenten auf Pappkugel mit Gipskreidegrund, montiert auf gedrechseltem Holzständer des 18. Jh., H. 53 cm, Ø 29 cm. KSM, Inv. 1984/449 (Foto: RBA)

Caspar Vopelius von Medebach: Erdglobus, 1542 (Detail: Amerika). Kolorierte Holzschnitte in 12 Kugelsegmenten auf Pappkugel mit Gipskreidegrund, montiert auf gedrechseltem Holzständer des 18. Jh., H. 53 cm, Ø 29 cm. KSM, Inv. 1984/449 (Foto: RBA)

Amerika und Asien sind zu manchen Zeiten sehr weit voneinander entfernt - die derzeitige Weltlage ist ein solches Beispiel -, in anderen Epochen sehr nah. Wie auf unserem Objekt der Woche. Angesichts der kontinentalen Enge dürfte es selbst einem so mächtigen Mann wie dem US-Präsidenten schwer fallen, eine Mauer zu errichten. Die Rede ist von einem Abbild der Erdkugel, die an einer entsheidenden Stelle falsch ist: dem Erdglobus des Caspar Vopelius.

Kaspar Vopel wurde 1511 in Medebach geboren. Ab 1526 studierte er an der Katholischen Universität Köln, erlangte dort 1529 den Magister und wirkte bis zum seinem Tod 1561 als Professor der Mathematik. Sein ins Lateinische übertragener Name Caspar Vopelius ziert seine Publikationen, astronomischen Modelle und wissenschaftlichen Instrumente, die er anfertigte. In seinem Werk finden sich Quadranten, Sonnenuhren, Armillarsphären, Karten, Erd- und Himmelsgloben.

Nachdem 1532 ein Himmelglobus entstanden war, die die Sternenkarte des Claudius Ptolemäus (um 90 – um 170 n. Chr.) wiedergab, machte sich Vopelius an sein zweites Hauptwerk, einen Erdglobus. 1542 war er vollendet, und der stolze Autor nennt sich selbst in der Titelkartusche: „CASPAR. VO PELLEVS. MEDEBACH. | GEOGRAPHICAM SPHAE | RAM HANC FACIEBAT | COLONIAE A. 1542“. Darüber prangt das Kölner Stadtwappen.

Vopelius liefert hier eine neue Weltbeschreibung - Nova et inte | gra universi
orbis descri | ptio – und stützt sich dabei wiederum auf das Weltbild des Ptolemäus, aber auch auf die neuen Karten, die auf den Reisen der spanischen und portugiesischen Entdecker (und Eroberer) entstanden. Die Küsten Afrikas und die Ostküsten der beiden Amerikas sind recht genau wiedergegeben. Größere Freiheit herrscht hingegen in den westlichen Gebieten. Asien und Nordamerika sind als zusammenhängende Landmasse wiedergegeben. Damit folgt Vopelius nicht den damals verbreiteten Erddarstellungen! So zeigte der weit verbreitete Globus von Gerhard Mercator (1541), und vor ihm beispielsweise die Globen von Martin Waldseemüller (1507) und Johannes Schöner (1515) bereits getrennte Kontinente. Wie erklären sich diese Unterschiede?

Die Westküste Nordamerikas und die Ostküste von Nordasien waren im 16. Jahrhundert noch völlig unbekannt, kein westliches Schiff hatte sie bis dato erreicht. Daher teilte sich die Welt der Kartographen in zwei Lager: Jene, die Nordamerika und Asien als getrennte Kontinente darstellten, andere, die einen zusammenhängenden Superkontinent schufen. Vopelius nahm sich die Karten von Johannes Schöner zum Vorbild, der vor Gerhard Mercator der bedeutendste Globenhersteller in Deutschland war. Bis hin zu einzelnen geographischen Bezeichnungen hat Voeplius die kartographishen Angaben daraus übernommen. Doch im Falle des Superkontinents hat er sich anders entscheiden, und so wird Florida zu einer Halbinsel Asiens. Was ein Alptraum für Donald Trump wäre.

Obwohl der Globus von Vopelius gegenüber anderen Erdäpfeln einen Rückschritt darstellte, ist er ein wichtiges Zeugnis für die langwierige Suche nach der wahren Gestalt der Erde. Im Vergleich zu anderen prächtigen Beispiele aus dem 16. Jahrhundert ist er relativ unscheinbar. Es ist dem Aug des Kölner Universalgelehrten Ferdinand Franz Wallraf zu verdanken, dass er sich erhalten hat. Der Erdglobus – genauso wie der Himmelsglobus gelangten aus der Sammlung der 1796 aufgelösten Kölner Universität in seinen Besitz und finden sich heute im Kölnischen Stadtmuseum.

M. Hamann