Ein großer Meister in kleinen Malereien

Bild der 26. Woche - 29. Juni bis 5. Juli 2015

Peter Deckers und P. Boden: Ehrenblatt für David Levy Elkan, 1847. Kolorierte Zeichnung, 17,4 x 13,5 cm (Foto: RBA)

Detail aus dem Ehrenblatt für David Levy Elkan, 1847

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erschien in Köln kaum ein wichtiges Gedenkblatt, das nicht von David Levy Elkan gestaltet bzw. gedruckt worden war. Und doch sind keine persönlichen Erinnerungsstücke überkommen. Die einzig bekannte Darstellung des Künstlers findet sich auf diesem kleinen Gedenkblatt, einer farbigen Tuschzeichnung von 1847, die 1850 auch als Farblithografie erschien. Sie ist eine Reminiszenz an Elkans begehrte Arbeiten im Stil mittelalterlicher Miniaturen. Im begleitenden Text – in Altkölsch – wird er auch als „großer Meister in kleinen Malereien“ gerühmt.

David Levy wurde am 1. September 1808 als jüngerer Sohn eines jüdischen Privatlehrers und Kleinhändlers in der Bürgerstraße in Köln geboren. Aufgrund des napoleonischen Dekrets von 1808 nahm die Familie Levy den Namen Elkan an. David erhielt eine handwerkliche Ausbildung, die er 1834/35 mit der Meisterprüfung abschloss. Das gab ihm die Möglichkeit, eine Familie zu gründen. 1835 heiratete er die Dienstmagd Lisette Steinhausen. Es folgten sechs Kinder. Etwa 1837 gründete er die Steindruckerei David Levy Elkan.

Das hier vorgestellte Blatt, gestaltet von Elkans Schülern Deckers und Beden; zeigt in der kunstvoll gestalteten Initiale ebenso wie auf der Konsole oberhalb des Künstlers seinen Namenspatron König David, aber auch als Reminiszenz an Levy Elkans bewusst gelebtes Judentum. Der Künstler selbst steht in spätmittelalterlicher Gewandung in schwarzer Schaube mit Pelzbesatz an der Staffelei. Rechts im Blatt findet sich aber auch der Bischof „Johannes von Coellen“ (d. i. Erzbischof Geissel) als Hinweis auf seine zahlreichen Arbeiten für die katholische Kirche, aber auch für den Dom, woran das gotische Kirchenfenster neben dem Künstler erinnert. Levy Elkan gehörte zu den ersten Mitgliedern des Zentral-Dombau-Vereins. 1842 lithografierte er die Apostelbilder des Kölner Domchores. Auch an der Papst-Adresse von 1848 an Pius IX. war er beteiligt.

Das Kölner Stadtwappen erinnert an seine Arbeiten im Auftrage der Stadt, für den Karneval und viele Kölner Vereine (z. B. BdW 2012/17). Seine Kunden kamen zudem aus Frankreich und Belgien wie das französische Lilienwappen und der belgische Löwe andeuten. Unten in einem Vierpass erscheint Levy Elkan als Lehrer – seine Lithografie-Werkstatt durchliefen viele später erfolgreiche Lithografen; links unten im Bild seine fünf Kinder (die jüngste Tochter war noch nicht geboren).

David Levy Elkan war auch ein engagierter „48er“ – er war Mitglied im „Allgemeinen Hülfs- und Bildungsverein für Köln und Deutz“, im Kölner Arbeiterverein und war Zugführer der 9. Bürgerwehr-Kompanie.

Sein Einsatz galt besonders der Emanzipation der Juden in Preußen, nicht zuletzt in Verbindung mit dem Bankier Abraham Oppenheim, für den er die Dankadresse schuf, nachdem dieser als Sprachführer der rheinischen Juden ein relativ fortschrittliches Gesetz über die Verhältnisse der Juden in Preußen erreicht hatte. So verwundert es nicht, dass sich Levy Elkan auch in der Kölner Synagogengemeinde engagierte – er galt als fromm, war aktiv im Vorstand der Synagogengemeinde und erster Präsident der neuen Armenkommission der Gemeinde. Nur wenige Blätter mit jüdischer Thematik sind erhalten – darunter eine Pessach-Haggada von Isaak Offenbach, dem Vater des Komponisten Jacques Offenbach (vgl. BdW 2005/40) aus dem Jahr 1838.

1859 war die Familie Elkan nach Düsseldorf übergesiedelt, wo David Levy Elkan die Konkurs gegangene lithografische Anstalt Arnz & Cie übernahm, deren neuer Name Lithographisches Institut Levy Elkan, Bäumer & Cie lautete. Aber der Kontakt nach Köln und zur Synagogengemeinde blieb weiterhin eng. Er schuf Blätter zu offiziellen Anlässen wie die Speisekarte zur Einweihung der Festen Brücke 1859 und zur Eröffnung des Wallraf-Richartz-Museums 1861.

Im März 1864 zog er wieder nach Köln, wo er erneut eine Werkstatt eröffnete. Diese fiel an den Sohn Hermann Levy Elkan (bis 1905), dann an dessen Sohn David Elkan (+1929). Die Witwe veräußerte die Firma 1933/34 (wohl im Zuge der Arisierung) an Rudolf Wevers und Paul Welzel.

David Levy Elkan starb vor 150 Jahren – am 1. Juli 1865 während der Morgenandacht in der Synagoge in der Glockengasse, für deren Bau er sich stark gemacht hatte (s. BdW 1998/46), an einem Herzschlag, sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Deutz.

Dr. Elfi Pracht-Jörns nannte ihn in ihrer Biografie einen „Bürger, der sich seiner jüdischen Identität bewusst war, der eine Modernisierung des jüdischen Mikrokosmos nicht trennen konnte von der Reformierung der Gesamtgesellschaft in liberaler und sozialer Perspektive“.

R. Wagner