„Hochzeitsbilder“ vor 500 Jahren

Bild der 21. Woche - 25. Mai bis 31. Mai 2015

Hans Burgkmair d. Ä.: Doppelporträt von Barbara und Hans Schellenberger, 1507 bzw. 1505. Lindenholz, je 41 x ca. 28 cm, Inv.-Nr. WRM 0850 und WRM 0851 (Foto: RBA)

Im Jahr 1505 ließ der Augsburger Patrizier Hans Schellenberger (1480-vor 1518) ein Porträt von sich als Brautwerbebild malen. Nach der Hochzeit im Jahr darauf mit Barbara Ehem (1488-1546), die ebenfalls dem Augsburger Patrizierstand entstammte, wurde 1507 ein Bild der Ehefrau zur Ergänzung in Auftrag gegeben.

Der Augsburger Maler Hans Burgkmair d. Ä. (1473-1531) stellte das Paar auf zwei Holztafeln mit symmetrischem Bildaufbau dar. Die Eheleute stehen jeweils in Halbfigur unter einem angeschnittenen Rundbogen den Körper einander zugewandt. Selbstbewusst hat Hans seinen Blick auf den Zuschauer gerichtet, die kostbare Kleidung, ein pelzbesetzter Mantel und Ringe mit Edelsteinen unterstreichen die Herkunft und den Reichtum des Dargestellten. Barbara hat ebenfalls den Blick nach vorn gerichtet, wirkt dabei aber eher zurückhaltend und in sich gekehrt, zu ihrem schwarzen Kleid trägt sie ein Brusttuch und einen Gürtel aus Goldbrokat und ist mit einer schweren Goldkette geschmückt.

Beide halten in der rechten Hand eine Blume: Hans den Augentrost, als Symbol für Frohsinn und Barbara das Maiglöckchen, ein Zeichen kommender Freude, die beiden Blumen unterstreichen noch einmal die Funktion der Bilder als Brautwerbe- bzw. Hochzeitsbild. Barbara trägt auf dem bestickten Goldbrokat-Brusttuch den Spruch „A bon fino“ (zu gutem Ende), vielleicht ihr Wahlspruch oder aber ein weiterer Hinweis auf die Funktion des Bildes. Die Kopfbedeckungen der Ehepartner, ein schwarzes Barett auf den fast schulterlangen blonden Locken, bzw. ein golddurchwirktes Haarnetz, das an den Schläfen die Haare frei lässt, dokumentieren die zeitgenössischen Entwicklungen der Kleidung im süddeutschen Raum. Auf die Kopfbedeckungen wird ein späteres Bild der Woche tiefer eingehen. Die Kapitelle der Säulen tragen jeweils das Familienwappen und darunter ein „angeklebtes“ Blatt mit einer Inschrift: „25 JAR WAS ICH ALT / DA HET ICH DIE GESTALT / 1505.“ bei Hans und bei Barbara „19 JAR WAS ICH ALT / DA HET ICH DIE GE / STALT. / 1507“.

Auf unserem Bilderpaar ist Hans Schellenberger auf der rechten Seite zu sehen, obwohl in dieser Zeit üblicherweise der Mann links – auf der von den Personen aus gesehen ranghöheren rechten Seite – dargestellt wird (s. z. B. BdW 1999_25). Das wird seinen Grund darin haben, dass dieses Bild zunächst als Einzelporträt konzipiert und das Bild von Barbara erst später im gleichen Aufbau an das schon vorhandene Bild angepasst wurde.

Im Mittelalter ließen sich Persönlichkeiten häufig als Stifter darstellen, dabei wurden die Stifter zunächst in der Bedeutungsperspektive klein und wenig individuell dargestellt. Mit zunehmendem Selbstbewusstsein wurden die Darstellungen größer und individueller. Schließlich entwickelte sich in der Renaissance ausgehend von Italien das Porträt zu einer eigenen Gattung, in der sich die Dargestellten selbstbewusst in den Mittelpunkt rücken und dabei ihren Stand und ihren Reichtum ganz offen zur Schau stellen. Der Maler Hans Burgkmair, dessen Vater Thomas Burgkmair (1444-1523) noch zu den Malern der Spätgotik in Augsburg zählt, nahm nach seinen Lehrjahren auf der Wanderzeit in Oberitalien Eindrücke der venezianischen Kunst auf und wurde zum wichtigsten Künstler des Übergangs von der Gotik zur Renaissance im Augsburger Raum. Im Unterschied zum süddeutschen Raum entwickelte sich das eigenständige Porträt als Gattung in Köln deutlich später. Bartholomäus Bruyn (der Ältere) malte ein ähnliches Brautwerbebild erst 1528 also mit gut 20-jähriger Verzögerung

H. Bachem