„Donut Telefon“ und Heldentaten im Design

Bild der 16. Woche - 20. April bis 26. April 2015

Donald M. Genaro: Western Electric Sculptura Phone „Donut“, 1978. Kunststoff, braun bzw. gelb, 21 x 20 x 8 cm, Inv. K 1187 w (Foto: Sasa Fuis Fotografie, Köln)

Seit den 1950er Jahren verwandelten sich die Telefone in den USA in dekorative Haushaltsgeräte, die zumeist an einem zentralen Platz im Haus für alle Familienmitglieder zugänglich waren. Jedoch entwickelte sich schon bald das Bedürfnis, ein jeweils individuelles Telefon (für jede Person) zu besitzen. Dieses sollte dann idealerweise zur übrigen Einrichtung passen.

Das Elektrotechnikunternehmen Western Electric hatte schon früh auf diesen Trend reagiert und produzierte bereits 1959 ein feminin anmutendes, schlankes Telefon mit dem schönen Namen „Princess“. Die Werbung dazu versprach „it’s little, it’s lively, it lights“ („es ist klein, es ist spritzig, es leuchtet“ – die Wählscheibe leuchtete auf, wenn der Hörer abgenommen wurde). Der Entwurf der „Princess“ stammte aus der Ideenschmiede von Henry Dreyfuss, einem der bedeutendsten amerikanischen Industriedesigner, der unter anderem für Unternehmen wie Hoover, John Deere, New York Central Railroad, Royal Typewriter Company und eben Western Electric arbeitete.

Die Strategie bei Western Electric, auf modische Gehäuse zu setzen, wurde intensiviert, als Donald M. Genaro 1963 zu Dreyfuss stieß. Bereits 1965 gelang Genaro der große Wurf mit dem „Trimline“, das 1968 auf den Markt kam. Die Innovation lag nicht nur in der handschmeichlerischen Form des Geräts, sondern auch darin, dass die Wähleinheit vom Gehäuse auf den Hörer wanderte. Genaro legte damit die Grundlage für das moderne Mobiltelefon.

1972 schlug dann die Geburtsstunde einer weiteren Ikone des Telefon-Designs: des „Sculptura“. Aufgrund seiner eigenwilligen Form, die sehr stark an ein amerikanisches Kleingebäck, den Donut (Doughnut) erinnert, ist es bis heute bestens bekannt als „Donut Telefon“. Erhältlich war es damals in den Farben Weiß, Gelb und Braun und mit zwei unterschiedlichen Wähltechniken. Neben der klassischen Wählscheibe kam auch ein Touch-Tone-Modell (mit Tastatur) auf den Markt. „Touch-Tone“ ist eine amerikanische Markenbezeichnung für ein Mehrfrequenztonwahlverfahren, bei dem jeweils zwei Töne bei Anwahl einer Taste erklingen, die bei der Vermittlungsstelle erkannt werden. Western Electric entwickelte Touch-Tone bereits Anfang der 1960er Jahre. Das Verfahren war schließlich für das standardisierte Tastenlayout bei Telefonen generell verantwortlich.

Dank der Stiftung Prof. Dr. Richard G. Winkler besitzt das MAKK beide Versionen des Donut – mit Wählscheibe und mit Touch-Tone – natürlich in den typischen 1970er Farben Gelb und Braun. Neben diesen „Klassikern“ existieren jedoch auf dem Markt und in Sammlungen auch Varianten: Das kultige Gerät wurde beispielsweise von Sammlern in einer Wunschfarbe lackiert oder sogar mit Union-Jack-Muster verziert.

Übrigens: Der Erfolg seiner Telefone veranlasste das Unternehmen 1974 die besonders eleganten und außergewöhnlichen Telefone in einer Serie zusammenzufassen: die Western Electric DESIGN LINE.

R. Breuer