C’est fini!

Bild der 25. Woche - 22. Juni bis 28. Juni 2015

Ludwig Wolf (Entw.), F. Meyer (Stich): Der Kronprinz von Preußen besucht am 15. Juli 1815 mit dem niederländischen Prinzen Friedrich das Lazarett in Köln, Aquatinta, Blatt: 37 x 46,2 cm, Platte: 30 x 33, Zeichnung: 23,2 x 27,9 cm, HM 1926/1927 (Foto: RBA).

Mit der Niederlage Napoleons am 18. Juni 1815 bei Waterloo war auch Kölns Zeit als französische Stadt endgültig zu Ende. Von nun an waren die Kölner unwiderruflich preußisch geworden.

Kaiser Napoleon hatte im April 1814 abgedankt, im Vertrag von Fontainebleau war ihm die Herrschaft über Elba übertragen worden. Knapp ein Jahr später, am 1. März 1815, landete er mit 1000 Soldaten im Golf von Juan, zwanzig Tage später erreichte er Paris; auf seinem Weg durch die Alpen war er überall mit großem Jubel begrüßt worden, ganze Regimenter schlossen sich an. Der Bourbonenkönig Louis XVIII. war nach Gent geflohen. Es begann die Herrschaft der 100 Tage. Napoleons Marschälle, die bis auf wenige Ausnahmen zu den neuen alten Herrschern übergelaufen waren, hatten auch dieses Mal keine Probleme, dem alten neuen Kaiser zu dienen.

Seit September 1814 tagten in Wien die Siegermächte gemeinsam mit Frankreich und berieten über die Neuordnung des nachrevolutionären Europas. Der Kongress reagierte schnell auf Napoleons Coup und ächtete den Korsen umgehend als „Feind und Störer des Weltfriedens“. Napoleons einzige Chance bestand darin, schneller als seine Gegner zu sein. Er marschierte Richtung Brüssel, um die Vereinigung der gegnerischen Truppen zu verhindern. Seine Armée du Nord verfügte über 125.000 Mann, der englische Feldherr Wellington hatte 106.000, der preußische Marschall Blücher 126.000 Mann unter Waffen.

Nachdem klar war, dass auch seine zuletzt in die Schlacht geworfene kaiserliche Garde („Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht“) nichts mehr ausrichten konnte, floh Napoleon nach Paris, wo er vier Tage später ein zweites Mal abdankte. Am 14. Juli ergab er sich den Engländern und wurde nach St. Helena verbannt.

Nach der Schlacht von Waterloo wurden die Kölner Lazarette mit Verletzten förmlich überschwemmt. 13.000 Soldaten waren gefallen, 35.000 verwundet. Viele wurden in Köln medizinisch versorgt wie auch 100 Jahre später – während des Ersten Weltkriegs – die verwundeten Soldaten der Westfront. Damals war Köln die „Hauptstadt des verwundeten Deutschland“ (der englische Journalist E. J. Hollander prägte 1914 den Begriff „the Capital of Wounded Germany“). Der Weg über die heute rd. 225 km lange Straße muss sehr mühselig gewesen sein.

Als die französischen Revolutionstruppen im Oktober 1794 nach Köln gekommen waren, hatte es in der ganzen Stadt kein einziges größeres Krankenhaus gegeben, weswegen kurzerhand Dominikanerkloster und Kartäuserkloster zu Lazaretten erklärt worden waren. Die ehemalige Kartause wurde im Dezember 1794 - wie auf diesem Stich zu sehen - zum militärischen Dauerkrankenhaus. Diese Funktion behielt sie auch, als 1814 die Preußen einzogen. Der 1814 gegründete Verein deutscher Frauen (der Vorläufer des Kölner Frauenvereins) kümmerte sich um die Ausstattung der Lazarette mit Verbandmaterial und versorgte die Verwundeten. Allerdings ist das gotische Gewölbe auf diesem Bild nicht genau lokalisierbar.

Napoleons triumphale Rückkehr nach Frankreich hatte auch in Köln seinen Anhängern wieder Mut gemacht. Öffentlich wurden ihm Huldigungen dargebracht, misstrauisch beobachtet von dem Stadtkommandanten und den städtischen Honoratioren. Allerdings war es oft weniger die Begeisterung für Bonaparte, die die Kölner „Vive l’empereur“ rufen ließ, als vielmehr die Enttäuschung darüber, dass der Wiener Kongress am 8. Februar 1815 entschieden hatte, dass Köln wie das übrigen Rheinland an das (protestantische) Preußen fallen solle. Am 16. April 1815 ergriff Preußen offiziell Besitz von seinen neuen Ländern am Rhein.

Kronprinz Friedrich Wilhelm (1815–1861), ab 1840 König Friedrich Wilhelm IV., hatte Köln bereits im Juli 1814 erstmalig besucht und war damals vom jungen Sulpiz Boisserée für die Kathedrale begeistert worden. Bei seinem Besuch nach Waterloo wohnte er inkognito bei der Vorsitzenden des Frauenvereins, Marie Charlotte Freifrau von Heeremann zu Zuydwyck. Bei dem auf dem Blatt erwähnten Prinzen Friedrich handelt es sich um Prinz Friedrich von Oranien-Nassau (1797–1881), jüngerer Sohn des niederländischen Königs und Vetter des Kronprinzen, der seit 1813 an den preußischen Feldzügen teilgenommen und auch bei Waterloo gekämpft hatte.

Die unter dem Bild abgedruckte Gedichtzeile „Sing' o goldene Harfe, die himmlischen Kräfte der Liebe, sie die mit thätiger Kraft allmächtig waltet und wirket, und mit geheiligtem Band die Herzen der Menschheit umschlingt“ findet sich im Gedicht „Die bildende Liebe“ (1805) des evangelischen Theologen und Romantikers Christian Schreiber (1781–1857) und kündigt das neue protestantisch-preußische Zeitalter an.

R. Wagner