"Man hat nie begreifen können, dass er in Köln geboren ist"

Bild der 24. Woche - 15. Juni bis 21. Juni 2015

Jacques Offenbach. Gestochen nach einer Photographie und gedruckt von Weger, Leipzig, verlegt von der Buchhandlung Baumgärtner, Stahlstich. Blatt: 20,5 x 28 cm, Zeichnung: 13,8 x 11,2 cm (Foto: RBA)

Jacques Offenbach

Das Grab Offenbachs in Paris: Abbildung aus.: http:// www.klassiekemuziekgids.net/ componisten/offenbach.htm

Der Erfinder der Operette kam aus Köln! Mitten im Herzen der Stadt, zwischen Nord-Süd-Fahrt und Opernhaus, liegt einer der vernachlässigsten Plätze Kölns – der Offenbachplatz. Dieser erhielt seine Bezeichnung als Hommage an Jacques Offenbach und dessen Vater, der an der dort stehenden Kölner Synagoge als Kantor wirkte (vgl. Bild der Woche 46/1998).

Jakob Offenbach wurde am 20. Juni 1819 in Köln am Großen Griechenmarkt 1 (das Haus wurde 1870 abgerissen) als siebtes von zehn Kindern geboren. Sein Vater Isaac Eberst stammte aus Offenbach. Um 1802 ließ er sich in Deutz nieder. Hier heiratete er 1806 Marianne (Mirjam) Rindskopf. 1816 siedelte die Familie Offenbach, wie sie sich nun nannte, nach Köln um. Isaac verdiente den spärlichen Lebensunterhalt mit Musikunterricht und war bis ins hohe Lebensalter Chasan (Kantor) an der Synagoge in der Glockengasse.

Mit sechs Jahren erhielt das „Köbesche“, wie ihn die Familie rief, den ersten Unterricht im Geigespielen, später folgte das Cello, sein liebstes Instrument. Ab 1830 trat er mit den Geschwistern Isabella und Julius öffentlich auf. 1833 wurden die beiden Söhne zur weiteren Ausbildung nach Paris geschickt, damit sie im Land der „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ dem Schicksal als „Musikjuden“ entgehen sollten. Jakobs Talent überzeugte den greisen Cherubini derart, dass er ihn spontan am Konservatorium aufnahm. Schon 1834 schied Jakob, der sich mittlerweile Jacques nannte, wieder aus, um als Musiker an der Opéra-Comique zu arbeiten. Daneben lebte er vom Cello-Unterricht und Komponieren.

Zwischenzeitlich hatte er sich einen Namen als Salonmusiker gemacht. 1844 heiratete er die Spanierin Herminie de Alcain (1826–1887), nachdem er zum katholischen Glauben konvertiert war. Das Paar hatte vier Töchter und einen Sohn. Offenbach wurde ein ausgeprägter Familiensinn nachgesagt, den seine Familie ihm mit großer Anhänglichkeit und Fürsorge dankte. Vor den Unruhen der Revolution floh Offenbach mit Frau und Kind 1848 nach Köln, wo er – wieder als „Jakob“ – patriotische Lieder schrieb und auch anlässlich des Dombaufestes und zu Ehren von Oberbürgermeister Steinberger musizierte.

1855 eröffnete er in Paris sein eigenes Theater, das Théâtre des Bouffes-Parisiens, an dem vornehmlich seine Operetten (diesen Begriff verwendete er erstmals 1856) gespielt wurden. Trotz seiner Erfolge agierte er finanziell so ungeschickt, dass er 1862 das Theater aufgeben musste. Trotzdem war die Zeit zwischen 1858 und 1869 seine erfolgreichste. In diese Zeit fallen die Offenbachiaden – mehraktige Parodien wie „Orpheus in der Unterwelt“ oder „Die schöne Helena“, in denen er geschickt Gesellschaftskritik und überschäumende Lebensfreude miteinander zu verbinden verstand. Die Weltausstellung des Jahres 1867 sah ihn, den 1860 eingebürgerten, auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Offenbach wurde zum Hätschelkind und Symbol des Zweiten Kaiserreichs, wie die Ära Napoleons III. genannt wird.

Nach der Kriegserklärung 1870 diffamierte ihn die französische Presse als „Spion Bismarcks“. 1871 war die Zeit der Offenbachiaden vorbei. Er widmete sich nun den Feerien, den Ausstattungsstücken und der Spieloper. 1873 übernahm er das Théâtre de la Gaîté, aber 1875 war er bankrott. Er hatte sein ganzes persönliches Vermögen verloren, deswegen nahm er das Angebot einer Amerika-Tournee anlässlich der Weltausstellung von 1876 in Philadelphia an. Diese Reise wurde ein großer finanzieller und persönlicher Erfolg.

1877 begann er mit seinem letzten Werk, „Hoffmanns Erzählungen“, seinem musikalischen Testament. Dessen Uraufführung im Februar 1881 und den anschließenden Erfolg erlebte er nicht mehr. Jacques Offenbach starb vor 125 Jahren, am 5. Oktober 1880 in seiner Pariser Stadtwohnung. Der Trauerzug führte von der Kirche Madeleine durch sein geliebtes Paris, vorbei an seinen Wirkungsstätten zum Friedhof Montmartre (s. Bild rechts).

R. Wagner