Hoffnung auf Brot

Bild der 13. Woche - 30. März bis 5. April 2015

Fritz Geus: Köln - Im Ferkulum: Die Brotnot im Kriegsjahr 1915. Fotografie auf Karton, Bl.: 30,2 x 44 cm, Inv. G 27911 (Foto: KSM)

Schon vor Kriegsbeginn im August 1914 hatten die Herrschenden erkannt, dass die Versorgung der Bevölkerung für eine erfolgreiche Fortführung des Krieges unabdingbar war. Beunruhigt durch die Julikrise, war die Kölner Stadtverwaltung darum früh mit Vertretern aus Handel und Verkehr in Verhandlung getreten. Bereits einen Tag nach dem deutschen Kriegseintritt konstituierte sich die Versammlung zur ständigen Lebensmittelkommission, die für die Dauer des Krieges über geeignete Maßnahmen in dieser Sache entscheiden sollte.

In Köln war der Beigeordnete Konrad Adenauer mit dieser Aufgabe betraut. Besondere Verdienste erlangte er als Ernährungsdezernent durch die geschickte Lebensmittelversorgung während des Ersten Weltkriegs, unter dem Köln als Frontstadt besonders zu leiden hatte.

Das Foto von Fritz Geus zeigt eine Szene im Laden der Konsumgenossenschaft „Hoffnung" in der Kölner Südstadt, einem typischen Arbeiterviertel. Dicht gedrängt warten v .a. Frauen und Kinder auf die Ausgabe des lebensnotwendigen Brotes.

Bereits wenige Monate nach Kriegsbeginn hatte sich die Ernährungslage für weite Teile der Bevölkerung dramatisch verschlechtert. Besonders Getreide wurde knapp, weil die traditionellen Lieferanten aus dem Osten weggefallen waren. Zwischen August 1914 und April 1915 stieg der Preis für Weizenmehl um 50 Prozent, der für Roggenmehl sogar um 100 Prozent. Für Kartoffeln musste man das Doppelte, für Hülsenfrüchte gar das Dreifache bezahlen.

Als am 30. Januar 1915 das Einheitsbrot zwecks Einsparung von Getreide eingeführt wurde, war Adenauer ein Befürworter dieser Maßnahme. Es wurden nur noch Schwarz- und Feinbrot, Mischbrot aus Roggen- und Weizenmehl und Kartoffelmehl zugelassen. Ende März 1915 wurden in Köln Brotbücher für die Rationierung von Brot und Getreide eingeführt. Als ein Jahr später die tägliche Brotration von 275 g je Person und Tag auf 250 g gekürzt wurde, gab es bereits 158.088 Brotbücher für 606.969 Personen.

Während des Ersten Weltkrieges wurde in ganz Deutschland mit neuen Brotsorten experimentiert. In dieser Zeit entwickelte auch Konrad Adenauer gemeinsam mit den Brüdern Jean und Josef Oebel, den Inhabern der Rheinischen Brotfabrik, das „Kölner Brot“ – ein Brot, das der Rationierung nicht unterworfen war, weil es aus Mais-, Gersten und Reismehl bestand. Mais bezog die Stadt Köln damals aus dem noch neutralen Rumänien. Dieses seit April 1915 hergestellte Brot ähnelte in Aussehen und Geschmack dem rheinischen Schwarzbrot, täglich wurden bis zu 10.000 Stück hergestellt bis schließlich mit Kriegseintritt Rumäniens 1916 die Produktion eingestellt werden musste. Das „ Kölner Brot“ ließ sich Adenauer am 2. Mai 1915 patentieren.

R. Wagner