Hennes Weisweiler – Der Double-Trainer!

Bild der 26. Woche - 1. - 7. Juli 2013

Hans Pfeil, Hennes Weisweiler mit DFB-Pokal und Meisterschale im Müngersdorfer Stadion 1978, 16,5 x 21,4 cm, Kölnisches Stadtmuseum

An einem Freitag den 13. vermeiden abergläubische Menschen es tunlichst, unter Leitern hindurch zu schreiten und versuchen auch sonst auf waghalsige Manöver zu verzichten. Aber anscheinend ist es ein guter Tag, um Fußballvereine zu gründen. Und so wurde am Freitag den 13. Februar 1948 der 1. FC Köln gegründet. Franz Kremer, der Initiator dieser Gründung, konnte durch seinen nimmer müden Einsatz die Mitglieder seines damaligen Vereins Klettenberger BC von 1901 und die der rivalisierenden Spielvereinigung Sülz 07 von der Fusion und Gründung eines neuen Vereins überzeugen. Mit der ehrgeizigen Frage „Wollen Sie mit mir Deutscher Meister werden?“ gab er die Marschroute vor und machte um seine Visionen und Ziele keinen Hehl – den Verein zur Nummer eins im deutschen Fußball zu machen. Autorität und Erfolgshunger zeichneten Franz Kremer, den ersten Präsident des neugegründeten Vereins, aus. Nur knapp 48 Stunden nach der vollzogenen Fusion der beiden Vorortvereine zum 1. FC Köln betrat die Mannschaft erstmals den Rasen, um ein erstes Meisterschaftsspiel zu bestreiten. Gegner war der Sport- und Spielverein Nippes. Bei den Aufstellungen wurde streng nach Proporz aufgestellt, so standen immer sechs Spieler vom KBC und fünf Spieler von Sülz 07 auf dem Rasen. Einer von ihnen war auch der 29jährige Hans „Hennes“ Weisweiler. Beinahe wäre es der Mannschaft sogar schon im ersten Jahr gelungen, in die höchste deutsche Spielklasse, die Oberliga West, aufzusteigen, doch verlor man das entscheidende Spiel gegen Rhenania Würselen mit 0:1. Weisweiler erlitt bei diesem Spiel einen Schädelbasisbruch und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die „Neue Rhein-Zeitung“ berichtete am darauffolgenden Montag vom Tod Weisweilers, was sich als eine Falschmeldung erwies. Die Todesanzeige erhielt fortan einen Ehrenplatz über Weisweilers Bett. Von allen großen Namen, die der Club in seiner Historie hervorgebracht hat, ist der Name Hennes Weisweiler der, der zum einen mit den größten Erfolgen, zum anderen aber auch mit den bescheidensten fußballerischen Fähigkeiten („Ich war ein Klopper“) verbunden ist. Doch was Weisweiler an spielerischer Qualität fehlte, verstand er durch theoretisches und fachliches Wissen auszugleichen. Er war begeistert von offensivem, technisch starkem Fußball und Freund klarer Ansprachen. Diese Rolle vertrat er auch innerhalb der Mannschaft. Aus diesem Grund wurde er zur neuen Saison zum Spielertrainer ernannt, obwohl es mit Spielern wie Hans Schäfer durchaus auch bessere und talentiertere Spieler innerhalb der eigenen Reihen gegeben hätte. Im zweiten Anlauf klappte es nun auch mit dem Aufstieg in die Oberliga West – durch zwei Siege in den Entscheidungsspielen gegen Leverkusen. Das damalige Ligasystem, vor Gründung der Bundesliga, bestand aus fünf Oberligen. Die Sieger und Vizemeister der fünf Ligen qualifizierten sich für die Playoffs und spielten anschließend in zwei Staffeln gegeneinander. Im Anschluss spielten die beiden Staffelsieger die Meisterschaft untereinander aus. Unter Weisweiler konnte der Verein sich stets im oberen Tabellendrittel der Oberliga West halten. 1952 jedoch zwang eine Leistenverletzung den Spielertrainer zum Karriereende, woraufhin er auch das Engagement als Trainer der Mannschaft für beendet erklärte. Man habe sich gegenseitig abgenutzt begründete er im Anschluss seine Entscheidung. Weisweiler zog es zum Rheydter SV, wo er hoffte alleiniger Machthaber im Verein zu sein und keine starke Person, wie in Köln mit Franz Kremer, neben sich zu haben. Doch sollte es Weisweiler in der Zukunft immer wieder zu seinem FC zurückziehen. So auch 1955, nachdem er ein Angebot von Sepp Herberger, dessen Assistenz-Trainer zu werden, ausschlug. Doch war die zweite Amtszeit Weisweilers nur mit dürftigen Erfolgen in der Domstadt verbunden. Nur ein zweiter Platz sprang am Ende der drei Jahre heraus. Zu wenig für einen ambitionierten Club und dessen Präsidenten, der den 1. FC Köln zur Nummer eins in Deutschland machen wollte. Weisweiler wechselte auf die andere Rheinseite und wurde Trainer von Viktoria Köln. Hier wollte er eine Mannschaft aufbauen, die dem linksrheinischen Rivalen ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen sein sollte. Es gelang ihm nicht ein Sieg gegen seinen Ex-Verein, der 1962 – mittlerweile eine Spitzenmannschaft im deutschen Fußball – seine erste deutsche Meisterschaft feiern konnte und der Viktoria 1963 in die neugegründete Bundesliga entwischte. Für Weisweiler endete nun auch die Zeit bei Viktoria Köln und er wechselte an den Niederrhein zur Borussia aus Mönchengladbach, mit der Weisweiler 1965 der Aufstieg in die Bundesliga gelang. Hier feierte er zahlreiche Erfolge und entwickelte die Mannschaft, neben dem FC Bayern München, zur führenden Mannschaft in Deutschland. Die 1970er Jahre - die Jahre der „Fohlen-Elf“ - waren geprägt vom Zweikampf der beiden Vereine. Weisweiler führte die Elf vom Niederrhein zu Deutschen Meisterschaften, nationalen sowie internationalen Pokalsiegen. Nach einem unglücklichen und glanzlosen Kurzengagement beim FC Barcelona, wurde die Ankündigung der Rückkehr Weisweilers nach Köln, die durch FC Chef Weiand vorangetrieben wurde, in der Domstadt frenetisch gefeiert. Und die positive Grundstimmung war gerechtfertigt, in der ersten Saison seiner Rückkehr konnte man den DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin gewinnen. Weisweiler gab dem Verein viel, jedoch nicht, ohne auch einiges zu nehmen: Wolfgang Overath, die Ikone und Versinnbildlichung der rheinischen Fußballkunst. Für Weisweiler stand Overath jedoch auch für das Unstete und das Divenhafte, das den Verein in den vergangenen Jahren zunehmend ausgezeichnet hatte. Immer häufiger fand sich Overath, der Schütze des ersten Bundesligators des FC, auf der Bank wieder. Zum Ende der Saison bestritt Overath am 17. Mai 1977 dann sein Abschiedsspiel. Im Anschluss gewann man dann gegen Berlin in Hannover den DFB-Pokal. Doch der größte Erfolg stand noch bevor: in der folgenden Saison konnte man zum einen den DFB-Pokal – ausgerechnet gegen Fortuna Düsseldorf – mit einem 2:0 Sieg verteidigen und zudem die Deutsche Meisterschaft, vor Borussia Mönchengladbach, feiern. Die Sternstunde des Vereins war erreicht und Hunderttausende feierten in Köln eine 30stündige Siegesfeier. Die folgende Saison verlief mit einem siebten Platz in der Meisterschaft und dem Aus im Achtelfinale des DFB-Pokals mehr als ernüchternd. Weisweiler stand erneut vor dem Aus. Ein letztes Mal folgte Weisweiler dem Ruf der großen weiten Welt – er wechselte zum Beckenbauer Club Cosmos New York. Hier feierte er 1980 die US-Meisterschaft. Seine letzte Trainerstation war ab 1982 Grashoppers Zürich, mit denen er 1983 das Double gewann. Am 5. Juli 1983, vor 30 Jahren, verstarb Hennes Weisweiler in der Schweiz. Die Trauerfeier im Kölner Dom glich einem Staatsbegräbnis. 20.000 Menschen gaben dem Trainer das letzte Geleit, darunter alle seine Schützlinge und Wegbereiter aus der Vergangenheit. In der Geschichte des 1. FC Köln wird der Name Hennes Weisweiler unvergessen bleiben. Dafür sorgt nicht zuletzt der Geißbock (mittlerweile Hennes VIII.). Der wurde nämlich, nachdem er dem Präsidenten Franz Kremer 1950 bei einer Karnevalsfeier von Zirkusdirektorin Carola Williams geschenkt wurde, im Unkelbach zünftig auf den Namen des damaligen Trainers getauft.

S. Lewejohann