Das pralle Kölner Leben

Bild der 28. Woche -9. bis 15. Juli 2012

Heinz Kroh , Selbstbildnis in Uniform eines Rotkreuz-Soldaten, Belgien, um 1915, Öl auf Leinwand, 56,5 x 36,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum

Vor 40 Jahren, am 1. Juli 1972, starb der Kölner Maler Heinz Kroh. Zeit seines Lebens hatte er sich dem Kölner Leben in all seinen Facetten gewidmet (vgl. Bild der Woche 08/2012). Schon Ende der 1950er Jahre hatte seine Schaffenskraft nachgelassen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der an Altersschwäche Erkrankte in Dortmund, der Heimatstadt seiner Ehefrau Hertha. Heinz Kroh wurde am 12. September 1881 als viertes von sechs Kindern des Eisenbahnsekretärs Friedrich Kroh und dessen Ehefrau Louise geb. Schneider in Deutz geboren. Nach dem Besuch der evangelischen Volksschule – die pietistischen Eltern stammten aus dem Wittgensteiner Land – machte er eine Lehre als Schlosser bei der Gasmotorenfabrik Deutz (GMD), für die er später als technischer Zeichner arbeitete. Zeichnen und Malen hatte sich der begabte Autodidakt selbst beigebracht. Dem Direktor der GMD, Carl Stein, fiel das außergewöhnliche Zeichentalent Krohs auf und er gewährte ihm ab 1904 ein Stipendium zum Besuch der Kunstakademie in Düsseldorf. Obwohl die Stadt Düsseldorf ihm ein kostenloses Atelier angeboten hatte, setzte er 1910 bis 1912 seine Studien an der Münchner Akademie fort. Hier wurde er Vater einer nichtehelichen Tochter. 1914 meldete er sich wie so viele andere als Kriegsfreiwilliger und wurde als Rotkreuz-Soldat, also als Sanitäter, in Belgien eingesetzt. 1916 erlitt er einen Nervenszusammenbruch – die Kriegsgräuel hatten ihn äußerst betroffen gemacht. Dieses Entsetzen vermittelt auch sein hier vorgestelltes Selbstbildnis aus dieser Zeit. Nach einem Ruheaufenthalt in Rheine wurde er Funker auf dem Militärflughafen Stolp in Pommern. Erst 1920 kehrte er nach Köln zurück. In dieser Zeit bewegte er sich als regelmäßiger Gast und Dokumentarist mit dem Zeichenstift durch das Kölner Nachtleben. Das fand ein Ende, als er 1929 mit fast 50 Jahren die 19-jährige Hertha Schimmelpfennig aus Dortmund heiratete. Bald wurde Tochter Hella geboren. Die Weltwirtschaftskrise traf auch den bildenden Künstler. In dieser Zeit unterstützte ihn sein Bruder Fritz, der als Medizinprofessor in städtischen Diensten ein sicheres Auskommen hatte. 1940 verweigerte man ihm Bezugscheine für den Erwerb von Malmaterial, drei Jahre später wurde sein Atelier in Köln-Buchforst durch mehrere Bombentreffer zerstört. Als Kriegsdienstverpflichteter musste Kroh Zeichenunterricht am Hansagymnasium geben, bevor er Frau und Tochter ins sichere Berleburg folgen konnte. Erst 1951 gelang es Heinz Kroh mit Hilfe von Kollegen, wieder eine Atelier-Wohnung in Köln-Buchforst zu erhalten. Den Lebensunterhalt verdiente aber Ehefrau Hertha. Im selben Jahr zeigte der Kölnische Kunstverein anlässlich seines 70. Geburtstages Arbeiten Krohs gemeinsam mit solchen von Paul Klee und Lothar Griesebach. Finanzielle und auch persönliche Gründe führten zum Umzug nach Köln-Zollstock, bevor das Ehepaar 1966 nach Dortmund zog. Einen großen Teil seiner Skizzen und Gemälde hat das Kölnische Stadtmuseum seit den 1950er Jahren erworben, anlässlich der letzten Ausstellung im Jahr 2007 auch dieses Selbstbildnis.

R. Wagner