Das Jahr des Drachen

Bild der 4. Woche - 23. bis 29. Januar 2012

Spiegel mit Drachenrelief zwischen Wolken, Bronze mit Silberanteil, Durchmesser 19,4 cm, China, Tang-Dynastie (617-907), Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Inv. Nr. Cb 87,1

Im Jahr des Wasser-Drachen, das nach dem chinesischen Mondkalender in diesem Jahr am 23. Januar beginnt, wird das Jubiläum der chinesisch-deutschen Städtepartnerschaft zwischen Köln und Peking gefeiert. Aus diesem Grund soll hier der Frage nachgegangen werden, welche Bedeutung dieses Fabelwesen für unsere Partner in China hat. Legenden über Drachen existierten in vielen Kulturen Europas und Asiens. Nirgends jedoch gewann das Fabelwesen eine so herausragende Bedeutung wie in Ostasien. Vor allem in China finden sich Drachendarstellungen von den kulturellen Anfängen bis in die Neuzeit. Schon im Dekor der chinesischen Sakralbronzen der Shang-Dynastie (16.-11. Jh. v. Chr.) spielen stilisierte Drachen mit Hörnern und langen gewundenen Schwänzen eine wichtige Rolle. Manche chinesische Archäologen führen die Geschichte von Drachendarstellungen sogar bis in das 5. Jahrtausend v. Chr. zurück. In den frühesten Texten Chinas ist der Drache das mächtigste im Wasser lebende Wesen, das dem Tiger, dem typischen Vertreter der Bergwildnis, gegenübersteht. Viele weitere Deutungen sind mit ihm verbunden. In der Tradition des Yijing, des ältesten chinesischen Orakelhandbuches, symbolisiert der Drache die männliche Kraft yang und den Himmel. Seit Beginn der Kaiserzeit repräsentiert der Drache unter den „Tieren der vier Himmelsrichtungen“ den Osten. Als kaiserliches Emblem bildet der Drache in späterer Zeit ein Paar mit dem Phönix, dem Zeichen der Kaiserin. Mit seinem schlangenartig gewundenen Körper, dem langem Geweih, wehenden Barthaaren und wilder Mähne erscheint der Drache als zentrales Ornament auf Zeremonialgewändern, in der Palastarchitektur, im Porzellandekor sowie in allen Bereichen des Kunsthandwerks wie hier auf der Rückseite eines Bronzespiegels aus der Tang-Dynastie (618-907). Die traditionelle Medizin sprach Drachenfleisch, -eiern, -föten und -knochen magische Heilkräfte zu. Zufällig gefundene alte Knochenfragmente mit eingeritzten Schriftzeichen, die im 2. Jt. v. Chr. eigentlich als Orakel dienten, wurden deshalb bis zum Ende des letzten Jahrhunderts in Apotheken zermahlen und als Heilpulver verkauft. Als Wissenschaftler auf diese „Drachenknochen“ aufmerksam wurden und deren Herkunft erforschten, führte dies zur Entdeckung der Königsgräber der Shang-Dynastie bei Anyang. Für die Chinesen ist das Tierkreiszeichen des Geburtsjahrs immer noch sehr bedeutsam für den späteren Lebensweg des Kindes. Das Drachenjahr ist das beliebteste Jahr für Geburten. Und wenn man nur ein Kind haben darf, dann sollte es ein Drachenkind sein. Warten wir’s ab, ob das neue chinesische Jahr für die Weltbevölkerung einen deutlichen Sprung in Richtung der 8 Milliardengrenze bedeuten wird ….

Redaktion Bild der Woche