Kunst und Kaufen

Bild der 29. Woche - 18. bis 24. Juli 2011

Impressionen, Blick in den Museumsshop der Firma Cedon im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln

Ein gutes Museum ist ein Ort für (fast) alle Gelegenheiten. Es sollte nicht nur Platz bieten für das Sehen, Entdecken und Studieren, sondern auch Raum geben für angeregte Gespräche - und im besten Falle als Inspirationsquelle und angenehmer Zeitvertreib dienen. Ab einer gewissen Größe und Lage sind Museen heute mehr als Sammlung, Veranstaltungssaal und Museumscafé. Ein Ort besonderer Prägung ist oft auch der Museumsshop. Dieser verkauft weit mehr als Postkarten und Hauspublikationen. Standard im Sortiment sind zum Beispiel Designobjekte und zur Sonderausstellung passenden Romane. Diese neue Art von Shops, häufig mit Filialen in allen großen Städten, haben sich zu einer festen Größe im Einzelhändlerprofil einer Stadt etabliert. Sie stehen für ein außergewöhnliches, niveauvolles Angebot, auch wenn der Anspruch stellenweise nicht eingelöst werden kann. Harte Kritik an diesen schicken Shops kommt von Stimmen, die darin den Ausverkauf der Bildungsinstitution Museum und Vorboten einer zunehmenden inhaltslosen Eventisierung von Kultur sehen. Doch Museum und Konsum sind sich näher, als es auf den ersten Blick scheint. Die lange gemeinsame Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert, als sich Museen und Kaufhäuser, wie wir sie heute kennen, entwickelten. Fortgeschrittene Bauweisen, wie der großzügige Einsatz von Glas und Eisenkonstruktionen, ermöglichten spektakuläre Architekturen und neue Präsentationsformen. Dabei werden Waren im Massenkonsum häufig als etwas Besonderes präsentiert, z.B. in Vitrinen, vereinzelt und ausgeleuchtet, für jeden sichtbar und mit einem nicht verhandelbaren Preis. Wie im Museum werden Exponate durch Vitrinen und Beleuchtung betont. Laut den Bestimmungen des Internationalen Museumsrats und nationaler Übereinkommen sind die Dinge im Museum dauerhaft dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Zumindest Kunst und kulturhistorische Objekte können es nicht leugnen: sie waren einmal fester Bestandteil dieses Kreislaufs. Durch Kauf, Tausch, Schenkung, einen Nachlass oder puren Zufall sind sie in die Sammlung geraten. Konsum bedeutet immer auch Kommunikation. Vielleicht lohnt sich daher einmal ein Experiment: wie wäre es, vor dem Ausstellungsbesuch den Shop zu betreten und danach die Gestaltung beider Räume zu vergleichen? Oder die Postkartenauslage als Ausstellung zu betrachten? Sind die Postkarten des Originals würdig? Welcher Shopartikel würde sich gut machen neben einer Museumsvitrine? Damit haben wir die Möglichkeit, im Museum neu über Besitz und materielle Dinge nachzudenken: reicht die reine Idee eines Exponates aus? Oder warum brauchen wir ein Gemälde oder Objekt?

F. Bolz