Im Land der Morgenstille, Teil 2: Frauenmode und Fortbewegung im Alten Korea

Bild der 22. Woche - 30. Mai bis 5. Juni 2011

Koreanische Bäuerin in traditioneller Tracht – Foto: Adolf Fischer, 1905
Frieda Fischer auf einem koreanischen Fortbewegungsmittel - Foto: Adolf Fischer, 1905

Auszüge aus Adolf Fischers „Erfahrungen auf dem Gebiete der Kunst und sonstige Beobachtungen in Ostasien“, vorgetragen in der Sitzung vom 19. Dezember 1908, veröffentlicht in der „Zeitschrift für Ethnologie“, Jahrgang 1909, Heft 1. „Größere Gegensätze als die, die die koreanische Frauentracht in sich birgt, sind schwer denkbar. Einerseits der Changot, der grünseidene Mantel, der über den Kopf gezogen wird, mit dem die Schönen ihr Gesicht verhüllen, die weiten Hosen und der darüber gezogene Rock, der die Konturen des Körpers unkenntlich macht, andererseits aber die unverhüllten Brüste, die Sommer und Winter unbedeckt bleiben, ein in seltenen Fällen ästhetischer Anblick. (s. Hauptbild) Auf dem Gebiet der Kopfbedeckung ist Korea unerreicht; von dieser Mannigfaltigkeit kann man sich kaum einen Begriff machen. Wie winzig wirken die jetzt modernen umfangreichen Hüte unserer Damen, wenn man sie mit den Hüten der Damen um Taikyn und Sogdô vergleicht! Kokett ist das mit Troddeln geschmückte Pelzmützchen einer vornehmen Koreanerin aus Songdo. Auch auf dem Gebiete der Fahrzeuge gibt es in Korea apparte Erscheinungen, die allerdings heute so gut wie ausgestorben sind, von denen ich eines, das einzige, das ich in Korea sah, dem Museum für Völkerkunde überwies. Diese Vehikel ist ein Zwischending zwischen Sänfte und Karre. Vorn und hinten wird es an langen Stangen von Menschen halb gezogen, halb geschoben, hat aber in der Mitte unter dem Sitz ein Rad. (s. kleine Abbildung).“ Adolf Fischer (1856-1914), der Gründer des Museums für Ostasiatische Kunst, hatte auf seinen ausgedehnten Forschungs- und Ankaufsreisen in Ostasien mehrere eigene Kameras im Gepäck und machte viele Aufnahmen selbst, um sie später zur Illustrierung seiner Vorträge und Veröffentlichungen verwenden zu können. Die kleine Abbildung zeigt seine Frau, Frieda Fischer (1874-1945), die Mitgründerin des Museums für Ostasiatische Kunst Köln, in einem koreanischen Dorf auf der erwähnten Ein-Rad-Sänfte. Weitere Einblicke in den Alltag des alten Koreas und in Sitten und Gebräuche, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch zu beobachten waren, gibt der ethnologisch orientierte Dokumentarfilm des Abts Norbert Weber (1870-1956) der Benediktinerabtei St. Ottilien in Bayern, deren Ordensniederlassungen in Korea zum Teil bis heute existieren. Weber bewunderte die kulturellen Errungenschaften des Landes, war begeistert von der Landschaft, kritisierte aber auch den koreanischen Adel, der seiner Meinung nach das Land verkommen ließ, bis es den Japanern als leichte Beute zufiel. Er drehte während seiner zweiten Korea-Reise 1924/1925 eine filmische Bestandsaufnahme der koreanischen Kultur, in der Handwerk und Landwirtschaft, Architektur und Kunst, Brauchtum, Feste und religiöse Zeremonien detailliert geschildert werden. Der Film zeigt ein eindrückliches Bild einer Lebenswelt, die aufgrund von Modernisierung und Kolonialisierung heute nicht mehr existiert. Der ca. 116minütige Stummfilm ist anlässlich der derzeitigen Sonderausstellung Entdeckung Korea! Schätze aus deutschen Museen (Laufzeitende: 17.07.2011) täglich, außer an den Vortragssonntagen 26.06. und 10.07.2011, im Vortragssaal des Museums für Ostasiatische Kunst zu sehen. Mehr zum Thema alte koreanische Hutmode finden Sie im Bild der Vorwoche

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