Soziales Engagement

Bild der 46. Woche - 15. bis 22. November 2010

Kölnisch, um 1380 Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth Eichenholz, 122,5 x 47 cm Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Inv.-Nr. WRM 0036
Briefmarke mit dem Motiv des Gemäldes (s. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:DPAG_2007_2628_Elisabeth_von_Th%C3%BCringen.jpg&filetimestamp=20090111150455)

Das aktuelle Bild der Woche zeigt eine der bekanntesten Heiligen des Mittelalters – Elisabeth von Thüringen, deren kirchlicher Gedenktag am kommenden Donnerstag, den 19. November begangen wird. Die um 1207 geborene ungarische Königstochter, die schon früh als Verlobte des Landgrafen von Thüringen nach Deutschland kam, wurde vor allem durch ihren unermüdlichen Einsatz für Arme und Kranke bekannt. So stiftete sie als junge Witwe ihren gesamten Besitz, gründete in Marburg ein Hospital und pflegte dort selbst die Hilfsbedürftigen bis sie bereits im Alter von 24 Jahren verstarb. Schon kurz nach ihrem Tod im Jahr 1231 wurde sie heiliggesprochen und ihr Grab in Marburg wurde bald Ziel zahlreicher Pilger, die sich dort vor allem Heilung von Krankheiten erhofften. Auf unserer Tafel schildert der Maler das Leben der Heiligen mit zwei Szenen, die auf die sogenannten Werke der Barmherzigkeit verweisen, wie sie im Matthäus-Evangelium (25,35) benannt werden: „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“ So gibt Elisabeth in der unteren Szene einem Kranken zu essen (Speisung der Hungrigen) Die obere Szene zeigt Elisabeth bei der Bekleidung der Nackten. In beiden Bildern fällt der mit einem Kreuz versehene Heiligenschein des Kranken bzw. des Bettlers auf, der eigentlich Christus vorbehalten ist. Auch dies ist auf die oben genannte Bibelstelle zurückzuführen, an der es weiter heißt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Jeder Dienst an einem Hilfsbedürftigen ist letztlich ein Dienst an Christus selbst. Damit verbildlicht die Tafel einen zentralen Gedanken der Hospitalbewegung, die im 14. Jahrhundert vor dem Hintergrund der damaligen großen Pestwelle einen neuen Aufschwung erfuhr. In diesem Kontext ist auch das gezeigte Bild entstanden, das als Teil eines Triptychons möglicherweise für ein Kölner Hospital bestimmt war. Die Darstellung der barmherzigen Sorge für die Armen und Kranken sollte anspornen und zur Nachahmung auffordern. Dabei widmet der Künstler den Gesichtsausdrücken besondere Aufmerksamkeit und verzichtet auf früher geläufige, eher schematische Darstellungen. Auch werden Anfänge des sogenannten weichen Stils erkennbar, etwa im sanften Fallen der Gewänder. Aufgrund dieser stilistischen Merkmale wurde die Tafel bislang auf das Ende des 14. Jahrhunderts datiert. Doch stellen die weitreichenden Übermalungen, die besonders auf dem zugehörigen Flügel (WRM 35) sichtbar werden, für die Datierung eine besondere Herausforderung dar, sodass neue kunsttechnologische Methoden hoffentlich neue Erkenntnisse bringen werden. Anlässlich des 2007 begangenen, 800. Geburtstages Elisabeths gab die deutsche Post dieses Gemälde des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud als Sonderbriefmarke heraus (s. Bild rechts).

E. Richenhagen