Guerilla Gärtnern in Köln

Bild der 37. Woche - 13. bis 19. September 2010

Guerilla Gärtnern in Köln Foto: Beatrix Alexander
Bananenstaude „Nana“, Guerillagarten am Kreisel Ecke Bonner und Teutoburger Straße Foto: Beatrix Alexander
Ralf Witthaus, „Bundesrasenschau“ Foto: Beatrix Alexander

Wenn an dieser Stelle eine Banane ins Bild kommt, handelt es sich meistens um Kunst, vielleicht die von Thomas Baumgärtel, dem einst als Bananensprayer in Köln tätigen Künstler oder um eine Würdigung von Andy Warhols Coverentwurf für die Band Velvet Underground. Heute soll hier von echten Bananen die Rede sein. Genauer gesagt, von der autonomen Bananenrepublik in Köln. Die hat eine Geschichte und einen Commandante, sosorry, Presidente. Dessen Reich ist klar abgegrenzt und eindeutig zu orten: Es ist der Kreisel Ecke Bonner und Teutoburger Straße. Seine Landnahme begann damit, eine der heimischen Umgebung entwachsene Bananenpflanze dort sorgsam weniger aus- als einzusetzen. Der Anfang war gemacht und bald gefiel den Bürgern von El Presidentes Südstadtrepublik die Pflanze so gut, dass sie ihr einen Namen gaben – Nana. Wir wissen nicht, ob Nana den letzten harten und langen Winter wohl überstanden hätte, denn am Tag vor Heiligabend wurde sie entführt; wie sich herausstellen sollte von einem wohlmeinenden Pflanzenfreund, der sie aufpäppeln wollte. Nach weiteren Kunst- und Protestaktionen waren die Anwohner so begeistert von ihrer Republik, dass sie der inzwischen zurückgekehrten Nana weitere winterharte Bananenstauden zur Seite gesellten und auch ein heimischer Kohlrabi hofft täglich auf den Einsatz des Gießkommandos. Der Platz wird mittlerweile von den Bananenrepublikanern als Treffpunkt genutzt und wen würd’s wundern, wenn dort die nächste Südstadtpräsidentenwahl abgehalten würde… Raumgreifender ist das Projekt „Bundesrasenschau“ (s. weitere Abbildung rechts) des Künstlers Ralf Witthaus, der sich derzeit mit seinen Helfer/inne/n und einem ferrariroten Mäher durch den Grüngürtel fräst. Die Parkfläche, die sich im Halbrund um die Kölner Neustadt schmiegt, wurde Anfang der 20er Jahre von Fritz Schumacher entworfen. Durch diesen Halbmond führt die 3 m breite Schneise, die Witthaus als markanten Begegnungsweg für Parkbesucher wieder zum rechtsrheinisch gelegenen Rheinpark schlägt. (Der Künstler freut sich auf den Diskurs mit Interessierten.) Auch diese Aktion könnte man zum Guerilla Gärtnern zählen und für eine geplante Ausstellung zu diesem Thema ruft das Kölnische Stadtmuseum die Aktivistinnen und Aktivisten auf, doch bitte Beiträge und Fotos über ihr Tun einzusenden, damit die Dokumentation möglichst umfangreich wird.

B. Alexander