Doppelte Sicht

Bild der 27. Woche - 5. bis 11. Juli 2010

Edgar Arceneaux, An Arrangement Without Tormentors, 2003–2004, Filminstallation, 16-mm-Film, schwarz-weiß, Ton (Stereo), 2-Kanal, 2 16-mm-Filmprojektoren, 2 Sound Domes, 16:00 min., Köln, Museum Ludwig, ML/V 2008/005
Stills aus der genannten Installation

Die Auseinandersetzung mit kultureller Identität sowie mit Vergangenheit in Form von Erinnerungsprozessen sind bedeutende Aspekte im Werk des kalifornischen Künstlers Edgar Arceneaux. Die beiden Filmprojektionen der Installation An Arrangement Without Tormentors (eng., = Quäler) zeigen parallel zwei Interpretationen der Komposition I want to dance von Charles Gaines (2003). So erzählen einmal Gaines selbst und einmal die Pianistin Nora Mulder von Gaines’ Vater, der im Amerika der 1930er Jahre aufgrund von Armut und Rassendiskriminierung seinen Traum von einer Zukunft als Tänzer nicht leben konnte. Das Prinzip der Wiederholung überträgt Arceneaux auch auf die strukturelle Ebene der Filmarbeiten. Basierend auf einem System mathematischer Wahrscheinlichkeitsrechnung wird das Musikstück in beiden Aufführungen wieder und wieder unterbrochen, um mit einer anderen Strophe von Neuem zu beginnen – fast immer verbunden mit einem Perspektivwechsel auf die räumliche Situation. Mittels Kamera und Montagetechnik transformiert Arceneaux die beiden Inszenierungen in ein Geflecht zeitlicher und räumlicher Fragmente. Diese werden – dem Prozess des sich Erinnerns vergleichbar – neu arrangiert, lassen sich aber nicht wieder zu einem lückenlosen Ganzen zusammenfügen. Die üblicherweise für den Betrachter nicht sichtbaren Produktionsprozesse wie der Auf- und Abbau des Filmsets oder die Filmklappe verweisen immer wieder auf den Film als ein Erinnerung tradierendes Medium und dessen Gebundenheit an seine eigenen Konstruktionsmechanismen. Edgar Arceneaux wurde 1972 in Los Angeles geboren und lebt auch dort. Weitere Informationen zu diesem Werk finden Sie unter: EDGAR ARCENEAUX (pdf)

Museum Ludwig