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Bild der 32. Woche - 9. bis 15. August 2010
Nach der Ausstellung Hotel California (2007) treffen nun zum zweiten Mal im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in einer Ausstellung Alte Meister auf Werke der zeitgenössischen Fotografie. Die neue Bilderschau "Auf Leben und Tod. Der Mensch in Malerei und Fotografie. Die Sammlung Teutloff zu Gast im Wallraf" stellt Werke verschiedener Fotografen den Gemälden des Museums gegenüber. Hier soll in einer kleinen Serie ein erster Vorgeschmack vermittelt werden. Schönheit: Ob wir Menschen begegnen oder Kunstwerken, unberührter Natur oder schön gestalteten Gebrauchsgegenständen: Schönheit beschäftigt uns auf Schritt und Tritt. Doch ist kaum ein Begriff so schwer zu definieren. Beruhen ästhetische Urteile auf rationalen Kriterien oder auf subjektivem Geschmack? Betrifft Schönheit das Sein oder nur die Erscheinung? Ist wahre Schönheit subversiv? Entspricht Schönheit einer Norm, einem Kanon? Oder entspringt sie im Gegenteil der Abweichung vom Standard? Die evolutionäre Psychologie fragt gerne nach dem Zusammenhang von menschlicher Schönheit und Begierde. Aus Sicht der gender studies interessieren Definition und Konstruktion von Schönheit und Geschlecht Bartholomäus Bruyn d. Ä. war der wichtigste Kölner Porträtist der Renaissance. Die wohl dem Patriziat der Stadt angehörende fromme Dame auf unserem Bild weist eine Nelke als Symbol für die Passion Christi vor: Die Knospen der ähnlich duftenden Gewürznelken (»Nägelchen«) erinnern in ihrer Form an die Nägel vom Kreuz Christi. Das ursprünglich oben halbrund geschlossene Bildnis hatte wohl ein Gegenstück mit dem Porträt des Ehemannes, der, heraldischer Hierarchie zufolge, auf der höherrangigen linken Seite erschien. In Komposition, Farbigkeit und Beleuchtung zitiert diese Fotografie von Hendrik Kerstens ganz bewusst altniederländische oder -deutsche Porträts wie etwa Barthel Bruyns Bildnis einer jüngeren Frau mit Nelke. Insofern ist sie vergleichbar mit bestimmten Werken von Hiroshi Sugimoto oder Désiree Dolron. Die Pointe besteht im Austausch der Haube gegen eine ordinäre weiße Plastiktüte. Hier eröffnet sich ein weites Assoziationsfeld zwischen high und low, Popkultur und Hochkunst: von der Mode als sozialer und ästhetischer Praxis über den Konsum und seine Kritik bis hin zur Braut als Ware.
R. Krischel