Ein liturgischer Reisebegleiter

Bild der 48. Woche - 30. November bis 6. Dezember 2009

Tragaltar Köln, Ende 12. Jahrhundert Goldschmiedearbeit, Email, 13 x 20 x 32 cm Museum Schnütgen, Leihgabe der Pfarrgemeinde St. Maria im Kapitol
Detail des Tragaltars, Längsseite

Tragaltäre - wie dieser aus dem 12. Jahrhundert im Kölner Museum Schnütgen - wurden auf Reisen und bei Meßfeiern im Verlauf von Prozessionen benutzt. Sie besitzen Reliquien und die Altarsteine waren ebenso geweiht wie die großen Altäre der Kirchenbauten. Solche Altäre im Kleinen waren oft besonders sinnreich geschmückt, dienten sie doch dem Meßopfer gleichsam als transportable Basis. Darauf deuten bei unserem, aus der Kölner Kirche St. Maria im Kapitol stammenden Tragaltar die Gestalten von Abel (links) und Melchisedech (rechts), die den grünen Altarstein flankieren, in den vier Ecken begleitet von den Evangelistensymbolen. Abel, der Sohn Adam und Evas, brachte Gott ein wohlgefälliges Opfer dar - im Gegensatz zu seinem Bruder Kain. Der alttestamentliche König Melchisedech opferte Gott Brot und Wein, was als Hinweis auf das Meßopfer des Neuen Testamentes verstanden werden kann. An den Längsseiten des Altares thronen in der Mitte Christus und Maria (s. kleines Bild), jeweils von sechs Aposteln begleitet. Auf den Schmalseiten sind ihnen je drei Propheten des Alten Testamentes zugeordnet. Fein ausgearbeitete, aus Silberblech gestanzte und auf vergoldetem Kupfer emaillierte Blattornamente umgeben auf der Oberseite die Vertreter der christlichen Heilsordnung und machen den kleinen Altar zu einer "paradiesischen" Vision. Wie St. Maria im Kapitol waren viele Kirchen in Köln und weit darüber hinaus mit solch kunstvollen, kostbar wirkenden und dennoch in wohlfeiler Technik hergestellten Altärchen ausgestattet. Im 12. Jahrhundert, dem Jahrhundert der großen goldenen Reliquienschreine, stieg der Bedarf an kirchlichen Gerätschaften, und die kostbaren Werkstoffe Gold und Silber wie auch hergestellten Altärchen ausgestattet. Im 12. Jahrhundert, dem Jahrhundert der großen goldenen Reliquienschreine, stieg der Bedarf an kirchlichen Gerätschaften, und die kostbaren Werkstoffe Gold und Silber wie auch aufwendige Techniken wurden vielfach durch einfachere Materialien und serielle Arbeitsweise ersetzt. So erlaubte eine qualitätsvolle Model das Stanzen des schönen Sockelbandes aus kreisförmig umschlossenen Blattblüten. Die dünn vergoldeten Kupferplatten gewinnen durch die Farben der emaillierten Blüten, während an den Seitenwänden das tiefe Blau des Emails die feine Figur der goldenen Heiligenfiguren wirksam zur Geltung bringt. Angesichts der immer noch erhaltenen Menge an Kölner Emailarbeiten des 12. Jahrhunderts muß das Goldschmiedehandwerk damals ein sehr wichtiger Erwerbszweig der Stadt gewesen sein. Die Kombination verschiedener Materialien an den Kölner Tragaltären wäre in kaum einer anderen Stadt so möglich gewesen. Wie der transportable Altar aus St. Maria im Kapitol tragen viele einen Altarstein aus Buntmarmor, Porphyr, Serpentin und anderen Marmorarten. Sie wurden offenbar systematisch aus den Wand- und Bodenverkleidungen der römischen Prachtbauten ausgegraben, gesammelt und neu genutzt.

Museum Schnütgen