Eine Mausefalle führt über den Rhein

Bild der 41. Woche - 12. bis 18. Oktober 2009

Blick über die Kölner Altstadt und die Feste Brücke Photographie von Theodor Creifelds, ca. 1870 16,9 x 21 cm Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Seit der römischen Zeit hatte es in Köln keine feste Verbindung mehr zwischen der linken und rechten Rheinseite gegeben. Nach ersten französischen Planungen für eine Kölner Brücke, die Friedrich Harkort 1833 wieder aufgriff, machten die Fortschritte im Eisenbahnbau seit 1839 eine problemlose Querung des Rheins bei Köln, einem Eisenbahnknotenpunkt, dringend erforderlich. Mittlerweile gab es drei linksrheinische Bahnhöfe und einen rechtsrheinischen, die nicht miteinander verbunden waren, was besonders den Warentransport erschwerte. 1847 richteten Stadtrat und Handelskammer ein Gesuch an den preußischen König, möglichst bald eine feste Brücke zu genehmigen und diese dann bauen zu lassen. Die Regierung lehnte das Gesuch nicht ab, war aber auch nicht bereit, die Kosten zu tragen. 1849 wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Allerdings befürwortete die preußische Regierung eine Brücke in Domnähe und nicht, wie die seit 1822 dort befindliche Schiffbrücke, am Heumarkt, dem damaligen Zentrum des Handels. Das von der Stadt vorgelegte Finanzierungskonzept sah vor, dass sich die Stadt mit 100.000 Talern an den Baukosten, die auf 2 Mio. geschätzt wurden, beteiligte. Aber die Direktion der Köln-Mindener Eisenbahn hatte unterdessen mit der Regierung eine andere Finanzierung ausgehandelt, bei der diese Eisenbahn als Bauherrin auftrat, dreißig Jahre lang das Brückengeld einnehmen sollte und die Stadt 250.000 Taler Zuschuss zahlen musste. Die Grundsteinlegung am 3. Oktober 1855 nahm König Friedrich Wilhelm IV. persönlich vor. Zuvor schon hatte er sich in die Planungen eingemischt und darauf bestanden, die Achse der Brücke in diejenige des Domes zu legen, so dass jeder, der nach Köln hineinführe, zunächst den Domchor im Blick hätte. Die Kombination von gemauerten, neogotischen – technisch überflüssigen – Brückentürmchen und modernem Eisengerüst wird seinen Beifall gefunden haben. 1856 waren schon mehrere Brückenpfeiler im Rheinbett fundiert, aber erst 1857 folgte die Genehmigung der Eisenkonstruktion, die im Laufe des Jahres hergestellt wurde. Am 19. September 1859 befestigte man den letzten Nietnagel und vor jetzt 150 Jahren, am 3. Oktober 1859 wurde die Brücke feierlich in Anwesenheit des Prinzregenten Wilhelm (dem späteren Kaiser Wilhelm I.) eingeweiht. Die Brücke hatte zwei Fahrspuren für den Bahnbetrieb und eine 8,50 Meter breite Straße. Im Gegensatz zur Schiffbrücke, die aus 40 Pontons bestand, hieß sie einfach Feste Brücke. Wegen ihrer kastenförmigen Form mit eisernen Gitterwänden wurde sie im Volksmund zur „Mausefall“ bzw. „Muusfall“. Mit der Brücke waren die Linien der Rheinischen und der Köln-Mindener Eisenbahn durchgehend befahrbar, nachdem im Januar 1858 schon die Verbindungsbahn, die die linksrheinischen Strecken der Rheinischen Eisenbahn und der Bonn-Kölner Bahn miteinander verband, dem Verkehr übergeben worden war. Die Reiterdenkmale König Friedrich Wilhelms IV. auf der linken und des Prinzregenten Wilhelm auf der rechten Rheinseite waren 1860 bei den Bildhauern Gustav Bläser und Friedrich Drake in Berlin bestellt und 1863 aufgestellt worden. Diese hier vorgestellte Aufnahme mit dem Blick über Altstadt und Brücke machte der Kölner Photograph Theodor Creifelds (Neuss 1813 – Köln 1875) etwa 1870 vom Ratsturm aus. Bereits fünfzig Jahre nach Eröffnung der Dombrücke, wie sie mittlerweile hieß, wurde ein Neubau erforderlich, eine einfache Verbreiterung der bestehenden Brücke hätte weder den ästhetischen noch verkehrstechnischen Anforderungen der neuen Kaiserzeit genügt. Im Juni 1907 erfolgte die Gründung des ersten Strompfeilers. Im folgenden März konnte die erste der drei geplanten Achsen in Betrieb genommen und gleichzeitig mit dem Abbruch der alten Brücke begonnen werden, der im Juli 1909 abgeschlossen war. Am 22. Mai 1911 wurde die neue Hohenzollernbrücke in Anwesenheit des Kaiserpaares feierlich eingeweiht.

R. Wagner