Köcher mit Messer und Gabel der Maria Zuberin

Bild der 25. Woche - 22. bis 28. Juni 2009

Köcher mit Messer und Gabel der Maria Zuberin, 1590 Köcher: Holz, Niederlande oder Niederrhein, Beschläge und Besteck: Silber, teilvergoldet, Eisen, wohl Schweiz
 
 

Solche Köcher, die mit Eßwerkzeugen "besteckt" waren (daher der Name Besteck), trug der Vornehme noch bis ins 17. Jahrhundert immer am Gürtel mit sich. Die Sitte, daß der Gastgeber bei einem Essen jedem Gast Geschirr und Besteck zur Verfügung stellte, setzte sich erst im 18. Jahrhundert durch. Bestecke sind daher vor dieser Zeit das persönliche Eigentum des Gastes, und sie werden höchst individuell und häufig sehr kostbar gestaltet. In diesem Fall sind die silbernen Griffe von Messer und Gabel graviert, während sich an den vergoldeten Knäufen plastisch durchgestaltetes Rollwerk findet, sowie jeweils die Figur einer unbekleideten Frau, die in einer Hand eine Fackel, in der anderen ein flammendes Herz hält (s. Detail 1). An den Schmalseiten ist der Name der Besitzerin eingraviert: Maria Zuberin, der auf eine Herkunft des Bestecks aus der Schweiz deutet. Der lockere, wie so häufig bei Bestecken ins Erotische spielende Dekor steht in einem gewissen Kontrast zu dem religiösen Bildprogramm, des holzgeschnitzten Köchers. Dessen Silbermontierung mit dem schönen, ebenfalls plastisch gebildeten Puttenköpfchen stammt zwar sicher aus derselben Werkstatt wie die Bestecke, die Holzarbeit ist dagegen typisch für den Niederrhein und die Niederlande. Auf unserer Schauseite finden sich verschiedene Themen aus dem Alten und dem Neuen Testament (s. Detail 2): unter dem Narrenkopf Kain, der seinen Bruder Abel erschlägt, Jonas, der dem Maul des Walfischs entsteigt, Christi Auferstehung und Christus, der Maria Magdalena als Gärnter erscheint. Das letzte Bild unten zeigt Jesse, dessen Wurzel mit dem Stammbaum Christi zu den Seiten emporrankt. Durch die Ohren des Narren ist ein Loch gebohrt für die Trageschnur. Die zweizinkige Gabel diente lediglich dazu, Fleisch aufzuspießen. Gegessen hat man damals noch mit den Fingern. Gabeln, wie wir sie kennen, setzten sich ebenfalls erst im Lauf des 18. Jahrhunderts durch.

B. Tietzel