Kleiderwechsel?

Bild der 24. Woche - 15. bis 21. Juni 2009

Benedikt Beckenkamp Bildnis einer Frau und eines Mädchens, 1795 Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 2426 Öl auf leinwand, 62,2 x 53,5 cm Zustand mit vergilbtem Firnis
Detailaufnahme mit teilweise entferntem Firnis
Detailaufnahme mit teilweise entferntem Firnis
Gemälde nach der Erneuerung des Firnis

Eine Dame in einem trüben grauen Kleid mit einer dreckigen Spitzenhaube auf dem Kopf und ein Mädchen in einem schmutzigen weißen Kleid. Der Teint der Damen grau. Das Bild von Benedikt Beckenkamp wirkt fahl und trist, die Farben haben ihre Leuchtkraft verloren. Doch als Benedikt Beckenkamp das Bild 1795 gemalt hat, sah es noch völlig anders aus: Die Dame trug ein leuchtend blaues Kleid, die Spitzenhaube auf ihrem Kopf war strahlend weiß und die Gesichter zeigten eine vornehme Blässe. Wie ist das geschehen? Wie kann sich ein Bild so sehr verändern? Wenn ein Künstler dieser Zeit ein Bild fertig gemalt hatte, verlieh er ihm in der Regel noch einen abschließenden Überzug, den so genannten Firnis: Eine Art transparenten Lack, der die Malerei nicht nur vor Schmutz und Staub schützt, sondern ihr auch einen besonderen Glanz und Tiefenlicht verleiht, um die Farben noch intensiver zum Leuchten zu bringen. Doch im Laufe der Jahre altert diese meist aus Naturharz bestehende Firnisschicht. Durch Umwelteinflüsse wie Sonneneinstrahlung, Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, Staub und Schmutz wird der Firnis spröde und vergilbt. Dadurch verändern sich die Farben und die Wirkung des Bildes. Feine Unterschiede in der Farbgebung sind nicht mehr sichtbar, Farbaufträge erscheinen durch die gegilbte Firnisschicht in einem gänzlich anderen Farbton und die Leuchtkraft der Farben lässt nach. Genau dies ist bei dem Gemälde von Benedikt Beckenkamp geschehen. Zusätzlich wurden im Laufe der Jahre viele weitere Schichten Firnis auf das Gemälde aufgetragen, um die Farben „aufzufrischen“. Jedoch wurde der auf der Oberfläche liegende Schmutz vor dem erneuten Firnisauftrag oft nicht entfernt. Somit macht nicht nur der vergilbte Firnis das Bild trübe, sondern auch die eingebetteten Schmutzschichten. So erscheint die gesamte Darstellung dunkler und schmutzig, die Konturen und feinen Farbabstufungen der Malerei verschwinden unter dem gelblichen Film. Um das Bild in seinem alten Glanz erstrahlen zu lassen, hat der Restaurator die Möglichkeit diesen vergilbten Firnis wieder abzunehmen (s. Detailaufnahmen rechts). Vorsichtig testet er, welches Lösemittel den Firnis am schonendsten entfernt. Mit kleinen Wattestäbchen nimmt er so Stück für Stück den bräunlichen Firnis ab und die darunter liegende Malschicht kommt wieder zutage. Der gelbliche Schleier ist verschwunden und die Farben sind wieder in ihrem ursprünglichen Ton zu sehen. Um dem Gemälde wieder Glanz zu geben und auch um es weiter vor Umwelteinflüssen zu schützen, wird anschließend wieder eine dünne Firnisschicht aufgetragen, welche aufgrund der sehr geringen Schichtdicke zukünftig jedoch nicht mehr eine solch starke Vergilbung hervorrufen wird. Eine Dame in einem schönen blauen Kleid mit einer strahlend weißen Spitzenhaube auf dem Kopf und ein Mädchen in einem reinen weißen Kleid. Beide Damen mit vornehmer Blässe. Die Farben auf dem Bild von Benedikt Beckenkamp leuchten wieder (s. letztes Bild rechts!).

N. Diels