Sargdeckel sei dank

Bild der 10. Woche - 10. bis 16. März 2008

Dachstuhlbrand im Kölnischen Stadtmuseum (Zeughaus) Aufnahme vom 12.03.1983 Kölnisches Stadtmuseum, Köln

Neben Spezialitäten wie Karneval, Kölsch und Kölnisch Wasser hat die Metropole am Rhein auch weniger bekannte Produkte hervorgebracht, wie den Kölnischen Umber, das Kölner Ei und auch den Kölner Sargdeckel. Entgegen der Vermutung, es handele sich dabei um einen Begriff aus dem Bestattungswesen, dient die wannenförmige Eisenbetonkonstruktion eher dem Gebäudebrandschutz. So wurde beim Wiederaufbau des Zeughauses in den 50er Jahren (des 20. Jhs.) zwischen Dachstuhl und dem obersten 3. Geschoss ein solcher Sargdeckel installiert, um ein mögliches Übergreifen eines Feuers vom Dach nach unten zu verhindern. Eine Vorsicht, die sich vor 25 Jahren an einem sonnigen Freitagnachmittag, dem 11. März 1983, bezahlt machen sollte: Um 15:10 Uhr alarmierte ein Passant den diensttuenden Pförtner, Lothar Maas, dass aus dem Dach des Zeughauses Rauch drang. Maas war mittlerweile allein im Haus und verantwortlich, auf sämtliche möglichen Notfälle korrekt zu reagieren. Noch bevor er die Feuerwehr alarmieren konnte, war das bereits durch andere Augenzeugen geschehen. Laut "Kölnische Rundschau" vom 12.3.1983 rückten umgehend 80 Wehrmänner (Feuerwehrangehörige) aus, die ihrerseits von 30 Schupos (Angehörige der Schutzpolizei) vor den hunderten von Schaulustigen geschützt wurden. Eine mit Pressluftflaschen und Atemmasken ausgerüstete Gruppe von ca. 20 Feuerwehrleuten trabte die 72 Stufen zum 3. Obergeschoss des Zeughauses hinauf (damals wie heute gibt es weder Lasten- noch Personenaufzug im Verwaltungstrakt), schlossen Schläuche an die vorhandenen Hydranten an und begann mit den Löscharbeiten. Aufregend sei es gewesen, erinnert sich Lothar Maas, aber Angst habe er keine gehabt. Zu Recht, wie sich angesichts des kompetenten Feuerwehreinsatzes erwies. Um 16:35 Uhr hieß es endlich "Feuer in Gewalt". Und auch die mittlerweile eingetroffenen Fachleute, der Generaldirektor der Kölner Museen, Prof. Dr. Hugo Borger, der Direktor des Stadtmuseums, Dr. Heiko Steuer und dessen Oberkustos Max-Leo Schwering, die gekommen waren, den Schaden zu begutachten, konnten aufatmen. Denn glücklicherweise war das Museum seit November des Vorjahres wegen Umbauarbeiten geschlossen, weswegen auch ein Gutteil der kostbareren Bestände (Urkunden, Waffen, Münzen, Möbel, etc.) ausgelagert war. Auslöser des Brandes waren wahrscheinlich Schweißarbeiten im Haus. Außer dem zur Hälfte zerstörten Dachstuhl und einem Wasserschaden an der Sammlung Kölner Adressbücher kam nichts und niemand zu Schaden. (Wie der Kölner sagt: Hätt' noch immer jot jejange…)

B. Alexander