Ostern

Bild der 12. Woche - 24. bis 30. März 2008

Auferstehung Christi, Szene aus: Meister der Passionsfolgen, Leben und Leiden Christi in 31 Bildern, 1430/35 Leinwand, 119 x 397 cm Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Inv.-Nr. WRM 0090
Meister der Passionsfolgen, Leben und Leiden Christi in 31 Bildern, 1430/35 Leinwand, 119 x 397 cm Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Inv.-Nr. WRM 0090

Ostern, Fest der Auferstehung Christi: Der Maler des 15. Jahrhunderts schildert in dieser kleinen Szene eine Begebenheit, die in den Evangelien nur indirekt beschrieben wird. Aus dem Matthäusevangelium wissen wir um die das Grab bewachenden Soldaten und der Engel im leeren Grab bzw. die "Drei Marien" brachten den Aposteln die Botschaft von der Auferstehung. Es ist also die Bildvorstellung des Malers, welche Christus durch den geschlossenen Sarg emporsteigen läßt. Diese Szene ist ein Ausschnitt aus einer fast 4 m breiten Ansammlung von 31 Szenen aus dem Leben Jesu (s. Bild rechts). Zu beiden Seiten einer Kreuzigungsdarstellung sehen Sie jeweils drei Reihen mit je fünf Szenen aus dem Leben Christi. Die Erzählung beginnt links oben mit der Taufe Christi und setzt sich entsprechend der Leserichtung nach rechts über das Mittelbild hinweg bis zum Verrat des Judas fort. Die zweite Reihe zeigt Themen der Passion von der Gefangennahme Jesu bis zur Handwaschung des Pilatus, die untere Reihe beginnt mit der Kreuztragung und endet schließlich mit dem Weltgericht. Ungewöhnlich für ein so großes Bild aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist vor allem, daß es nicht auf Holz, sondern auf Leinwand gemalt wurde. Man nahm daher an, daß es sich um ein sogenanntes „Fastentuch“ oder auch „Hungertuch“ handelt: Diese Tücher hingen in der Fastenzeit, von Aschermittwoch bis Ostern, vor dem Chor und verdeckten der Gemeinde so den Blick auf den Hauptaltar. Man konnten die Zeremonie der Heiligen Messe nur noch hören, aber nicht mehr sehen. Diese visuelle Trennung sollte den Gläubigen bewußt machen, daß sie sich durch ihre Sünden von Gott entfernt hatten und erst durch den Opfertod Christi wieder Vergebung erlangen können. Seit dem 12. Jahrhundert bemalte man diese Tücher mit biblischen Szenen. Die Fastentücher wurden nach Ostern zusammengerollt und so bis zum nächsten Jahr aufbewahrt. Damit die Farbe nicht abplatzte, wurde sie ohne Grundierung und möglichst dünn auf die Leinwand aufgetragen. Thematisch paßt unser Bild zwar gut in die überlieferte Ikonographie von Fastentüchern, aber seine Beschaffenheit spricht doch in vielem dagegen: So ist es ein Querformat und damit kaum als Vorhang für den Chorraum geeignet. Allerdings gab es auch Tücher, die nur vor einzelne Altäre gehängt wurden, das entspräche schon eher unserem Bild. Vielleicht hing es auch vor dem Altartisch oder am Lettner, der im Mittelalter das Hauptschiff vom Chor trennte. Gegen die Verwendung als Fastentuch spricht vor allem, daß unser Bild auf einen Rahmen gespannt war. Gerollt werden konnte es deshalb nicht - und so stellt sich die Frage, wie ein vier Meter breites Bild nach der sechswöchigen Fastenzeit das restliche Jahr über gelagert wurde. Es sind nur wenige Leinwandbilder dieser Zeit erhalten, und wir wissen einfach zu wenig über sie, so dass wir die Funktion unseres Bildes wohl nicht endgültig klären können. Leichter läßt sich das Bild einem Darstellungstypus zuordnen. Denn die Bilderfolge mit den vielen Einzelszenen ist eine typisch kölnische Kompositionsform. Insgesamt sieben solcher Tafeln sind erhalten, deshalb spricht man auch von den Kölner Bilderfolgen. Viele stilistische und formale Ähnlichkeiten erlauben es, die Mehrzahl der verschiedenen bekannten Bilderfolgen dem gleichen Maler zuschreiben. Frank Günter Zehnder gab ihm 1990 den Notnamen "Meister der Passionsfolgen". Eine ganze Reihe erhaltener Einzelszenen aus solchen Bilderfolgen machen deutlich, daß dieser Meister in seiner Kölner Werkstatt durchaus in Serie produzierte, was für eine zumindest zeitweise große Nachfrage nach "Bilderfolgen" sprechen kann.

K. KwastekT. Nagel