Nana oder Niki?

Bild der 42. Woche - 15. bis 21. Oktober 2007

Niki de Saint-Phalle Black Nana, 1968/69 bemaltes Polyester, 293 x 200 x 120 cm Köln, Museum Ludwig, ML 0112

Die französische Malerein und Bildhauerein Niki de Saint Phalle war eine der originellsten Künstlerinnen unserer Zeit. Berühmt wurde sie vor allem durch ihre ab 1965 - nach ihren destruktiven Schießbildern - enstandenen "Nanas": sinnenfroh-üppige, knallbunt-fröhliche weibliche Wesen aus bemaltem Polyester. Sitzend stehend, liegend, auf dem Kopf stehend, Ball spielend und tanzend stellen sie die Frau in all ihren Erscheinungsformen dar und versuchen den Betrachter in eine fröhliche Euphorie zu versetzen.
Die „nana“, im Französischen eine junge Geliebte, ist bei Saint Phalle eher eine füllige, aber jung gebliebene Mama, eine übergroße heidnische Göttin, überströmend von Lebensfreude und Liebe und, wie die Künstlerin sagt, Abgesandte des Matriarchats. Eine gewisse Ironie – Brüste und Geschlecht sind jeweils übergroß geformt, der Kopf vergleichsweise winzig – sollte nicht übersehen werden. Die „Black Nana“ führt an einen der Ursprünge dieser Bildhauerei: afrikanische Fruchtbarkeitsmasken und –büsten, die Kult und Ekstase miteinander verbinden und weit entfernt sind vom pedantischen Sinn des Europäers für Maß und Proportion. Die „Black Nana“ ist eine Tänzerin; die Herz- und Blumen-Ornamente auf ihrem Kleid künden von großer Lebensfreude. Zahlreiche Arbeiten entstanden in Zusammenhang mit ihrem zweiten Ehemann Jean Tinguely (gest. 1991). So schuf sie 1966 mit ihm und dem schwedischen Künstler Per Olaf Ultredt die liegende, begehbare Riesen-Nana "Hon" (schwedisch: "sie") für die große Eingangshalle des Moderna Museet in Stockholm. 1979 begann Niki de Saint Phalle zusammen mit Tinguely ihren Lebenstraum, die Erschaffung eines "Tarot-Gartens" in Garavicchio in der Toskana, zu verwirklichen. In dem magischen Garten, der 1993 fertiggestellt wurde, befinden sich 22 zum Teil begehbare und sogar bewohnbare Skulpturen. Es ist "vor allem ein großes Denkmal für die Lebensfreude und die guten Kräfte der Welt" (P. Hulten).
Niki de Saint Phalle starb 2002 in San Diego.

T. Nagel