Mit Kind und Kegel

Bild der 5. Woche - 30. Januar bis 5. Februar 2006

Köln, um 1908 Weihnachtsbild der Familie Schoet, um 1905 Rheinisches Bildarchiv, Köln, Nachlaß Kreyenkamp

Weihnachten, das Fest der Familie, wird gerne für ein Foto genutzt – damals wie heute. Die vorliegende Aufnahme befindet sich im Nachlaß des Kölner Fotografen August Kreyenkamp. Er ist hinten rechts dargestellt und legt den Arm um die Schulter seiner ersten Frau, Margaretha Francisca Schoet, die er 1902 geheiratet hatte. Die anderen Personen müssen, so jedenfalls geben es die Gesten der Hände vor, der Familie Schoet angehören. Der ältere Mann vor Margaretha, dem sie ihre Hand locker auf die Schulter legt, dürfte wohl ihr Vater sein, und ihm zur Seite seine Frau, die den Sohn des Fotografen, Bernhard Kreyenkamp, - zeittypisch als Mädchen gekleidet und anhand anderer Fotos aus dem Kreyenkamp-Nachlaß erkennbar, auf den Knien hält. Eine weitere junge Frau ergreift demonstrativ die Rechte des Vaters und gibt sich damit ebenfalls als Tochter zu erkennen. Ihr Ehemann zeigt mit schon bekannter Geste die eheliche Zusammengehörigkeit. In welcher verwandtschaftlichen Beziehung steht er jedoch zu der jungen Frau außen? Aufgrund der physiognomischen Ähnlichkeit möchten wir hier eine Schwester des Mannes vermuten, ganz sicher ist diese Deutung aber nicht. Der Junge im Vordergrund kann nur ein Sohn des zweiten Ehepaares sein, also ein Vetter von Bernhard Kreyenkamp, da dieser keine Geschwister hatte. Bernhard wurde 1905 geboren und wird bei der Entstehung der Aufnahme zwei oder drei Jahre alt gewesen sein. Das Foto entstand demnach Weihnachten 1907 oder 1908. Die Familie Schoet soll nicht ganz unvermögend gewesen sein, dennoch wirkt das Ambiente eher kleinbürgerlich. In dem engen Raum sind Möbel unterschiedlicher Stilrichtungen eng zusammengestellt, sogar eine Nähmaschine ist in der Ecke zu entdecken. Tapete, Vorhang und Möbel sind etwas zusammengewürfelt, und auch die Anordnung des Nippes und der Erinnerungsstücke auf den Borden ist wenig dekorativ. Die Enge des Raumes, aber auch einige technische Mängel der Fotografie sprechen dafür, dass hier ein Amateur zu Werk gegangen ist. Anders sind die Unschärfen an den Rändern, aber auch die unharmonisch hervor stechenden weißen Decken kaum zu erklären. Andererseits hat sich der Fotograf um eine relativ schlüssige "Familien-Aufstellung" bemüht, die ohne Worte die verwandtschaftlichen Beziehungen klärt, und aus dieser Aufstellung bezieht das Bild seine Wirkung.

R. Neu-Kock