Der silberne Lohengrin

Bild der 48. Woche - 28. November bis 4. Dezember 2005

Emil Götze als Lohengrin, Photographie von Reichard & Lindner, Berlin, 32,2 x 18,6 cm, Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Die imposante Erscheinung ('ne staatse Käl, wie man in Köln auch sagen würde) ist Emil Götze (1856–1901), Kölns Star-Tenor Ende des 19. Jahrhunderts. Hier ist er in seiner Paraderolle als Gralsritter Lohengrin zu sehen. Und wenn auch nicht alles Gold ist, was glänzt, so handelt es sich bei Lohengrins Rüstung – bestehend aus Rock, Hose, Handschuhen und Schuhen – um reines Silber. Dieses Bühnenkostüm wurde Götze, der zum Neid und Nachteil der anderen Ensemble-Mitglieder die Höchstgage von 60 000 Mark bezog und durchaus nicht mittellos war, von den Vermögenderen seines Kölner Publikums gestiftet. (übelmeinende sprachen von "Götzendienst".) Der als liebenswürdig geschilderte Preußische Kammersänger, dessen Repertoire auch Rollen heute seltener aufgeführter Opern wie der Raoul in Meyerbeers 'Die Hugenotten' beinhaltete, galt zudem als "der Besitzer der einzigen Stimme, die sich in Bezug auf Klangzauber mit der Caruso's vergleichen ließ". Zur Oper war Emil Götze eher zufällig gekommen. Beim Militär hatten Vorgesetzte das Talent des sangesfreudigen Rekruten erkannt und so bewundert, "daß er auf Kosten des [sächsischen] Königs Albert... regelrechten Sangesstudien obliegen durfte". Seine ersten theatralischen Versuche am Dresdener Hoftheater wurden von seinen späteren Erfolgen am Kölner Stadttheater, wohin ihn der Intendant Julius Hoffmann 1882 holte, bei weitem überstrahlt. Seine Karriere endete 1891, verursacht durch ein chronisches Halsleiden. Er starb 1901 in Berlin. Nach Götzes Tod überließ seine Witwe dem Historischen Museum der Stadt Köln (heute: Kölnisches Stadtmuseum) einige Reliquien, darunter auch dieses Bühnenphoto und die Rüstung. Letztere geriet in die Kostümsammlung des Theaterwissenschaftlichen Instituts der Universität zu Köln, die im Krieg am Salierring untergebracht war. Bei einem Bombentreffer verbrannte ein Großteil der Textilien; die Rüstung dürfte eher geschmolzen  sein. Schade eigentlich, möchte man meinen, oder besser noch: "Drum sei getreu Dein Dienst getan! Leb' wohl, leb' wohl, mein lieber Schwan!"

B. Alexander