Kölns neues Stadttheater
Das Kölner Opernhaus am Rudolfplatz, um 1910

Bild der 36. Woche - 2. bis 9. September 2002

Das Kölner Opernhaus am Rudolfplatz, um 1910, Kolorierte Postkarte, 9 x 14 cm, Kölnisches Stadtmuseum - Graphische Sammlung KSM 1974/502

Die Kölner Ringe wurden nach 1881 zum Prachtboulevard mit städtischen Repräsentationsbauten ausgebaut. Hier plante man bewusst neue kulturelle Einrichtungen wie das Hohenstaufenbad, das Rautenstrauch-Joest-Museum und das Opernhaus. Schon früh wurde für einen Theaterneubau das Grundstück am Rudolfplatz ins Auge gefasst, aber erst 1898/99 kam es zu einem Architektenwettbewerb, den Carl Moritz gewann. Carl Moritz (1863 - 1944) war seit 1896 Bauinspektor der Stadt Köln. Dieses Amt gab er auf, um sich am Wettbewerb beteiligen zu können. Mit dem Stadtheater, seiner ersten Hauptarbeit, begann Moritz' Karriere im Theaterbau und bald gehörte er zu den führenden deutschen Architekten seiner Zeit. In Köln zeichnete er für viele weitere Bauten verantwortlich wie z. B. das Kaufhaus Peters (heute Karstadt). Für das Neue Stadttheater, das seit 1906 offiziell die Bezeichnung Opernhaus führen durfte und das über eine Grundfläche von 5.950 m² und 1.806 Sitzplätze verfügte, orientierte sich Moritz an der Dresdener Semper-Oper (1871-78). Baubeginn war im November 1899, die feierliche Eröffnung fand am 7. September 1902 statt. Das Gebäude, das den neuesten technischen Anforderungen entsprach, setzte sich aus drei Bauteilen zusammen, dem Hauptgebäude mit dem Zuschauer- und Bühnenhaus, den Magazingebäuden und dem Restaurant in einer schönen Gartenanlage. Das Hauptgebäude, dessen vorgewölbte Fassade dem Ring zugewandt war, zierten zahlreiche Skulpturen. Beim Außenbau verwandte Moritz hauptsächlich die Formensprache des deutschen Spätbarock. Trotzdem war seine eigene, sich bereits dem Jugendstil annähernde Entwicklung erkennbar. Das Innere war mit einer breiten Eingangshalle, einem stilvollen Zuschauerraum und einem weitläufigen, zweigeschossigen Foyer ebenfalls prächtig gestaltet. Wände und Decken waren mit Gemäldezyklen und symbolischen Darstellungen versehen. Die Innenarchitektur beruhte auf eigenständigeren Formen; die sparsame Verwendung von ornamentalem Schmuck wich von der Gestaltung vergleichbarer Bauten ab. 1944 erlitt das Opernhaus die ersten Bombentreffer, bei denen das Bühnenhaus fast völlig zerstört und die anderen Bauteile beschädigt wurden. Leider stand man in den 1950er Jahren den Bauten des späten 19. Jahrhunderts ablehnend gegenüber, so dass man sich nicht zum Wiederaufbau entschloss. Obwohl die Grundsubstanz des Gebäudes noch intakt war, wurde das Opernhaus 1958 abgerissen. An der Stelle wurde ein Hochhaus der Provinzial-Versicherung errichtet und heute befindet sich dort das Crown-Plaza-Hotel.

B. Scherer