"Arbres de liberté", Freiheitsbaum in Köln

Bild der 18. Woche - 30. April bis 7. Mai 2001

Die Errichtung des Freiheitsbaumes auf dem Kölner Neumarkt am 9. Oktober 1794, François Rousseau, Bonn?, 1794/95, Öl auf Leinwand; 48 x 85 cm, Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1983/534 a

Dieses im Kölnischen Stadtmuseum zu findende Werk eines anonymen Meisters kann nach der Entdeckung der Signatur unter den Vorderhufen des linken Schimmels als eine Altersarbeit des François Rousseau (verm. Bonn um 1717 - 1804 Bonn) angesehen werden. Rousseaus Vater war aus Paris an den kurfürstlichen Hof nach Bonn gekommen, er selbst in diesem höfischen Milieu aufgewachsen und von 1759 bis zum Einmarsch der Franzosen kurfürstlicher Hofmaler in Bonn. Für den fast 80 Jahre alten Mann muß die mit der französischen Revolution einhergegangene Veränderung unfassbar gewesen sein, daher wohl auch der anklagende Charakter des Bildes. Die ungenaue Topographiedarstellung des Bildes erklärt sich daraus, daß er den Kölner Neumarkt vermutlich aus seiner Einnerung in seinem Bonner Atelier malte und hier wohl etwas illustrierte, das ihm zu Ohren gekommen war, nämlich die Errichtung eine Freiheitsbaumes mit einer Jakobinermütze auf der Spitze. Am 6. Oktober 1794 hatten die französischen Revolutionstruppen Köln besetzt, die Stadt war ihnen kampflos übergeben worden, drei Tage später wurde diese "Befreiung" mit der Errichtung des ersten Kölner Freiheitsbaumes gefeiert (gemäß eines Dekrets des französischen Konvents vom Januar 1794). An diesem offiziellen, vom Oberkommandierenden der Sambre- und Maas-Armee General Jourdan angeordneten Fest mussten auch die Kölner Ratsherren und Vierundvierziger als offizielle Vertretung der Stadt teilnehmen (auf der Tribüne zu erkennen). Der Festzug war vom Rathaus zum Neumarkt gegangen, in dessen Mitte ein bunt geschmückter und mit einer Jakobinermütze bekrönter Freiheitsbaum errichtet worden war. Die Festteilnehmer umschritten den Baum dreimal und riefen dabei aus "Es lebe die Freiheit! Es lebe die Republik!" Unter dem Volk, welches den Freiheitsbaum umtanzte, sollen sich viele den Kölner Klöstern entflohene Nonnen und Mönche befunden haben. Später wurde weitere Freiheitsbäume vor der Rechtschule (1795, 8. 2. 1798), dem Rathaus (17. 9. 1797) und auf dem Altermarkt anstelle des Prangers (9. 4. 1798, 20. 3. 1799) errichtet sowie ein Letzter am 21. Oktober 1799 vor dem ehemaligen Dominikanerkloster, das einer Kaserne hatte weichen müssen. Die Bäume wurden lange Jahre gepflegt, aber nach Errichtung des Kaiserreiches vernachlässigte man sie immer mehr, bis sie der Axt und Säge zum Opfer fielen.

R. Wagner