Der Gipfel der Freundschaft ....oder wenn Freunde sich treffen

Bild der 24. Woche - 14. Juni bis 21. Juni 1999

Peter Paul Rubens, Selbstbildnis im Kreise der Mantuaner Freunde, Öl auf Leinwand, um 1604, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, im Wallraf-Richartz-Museum, Köln
 

Die Trilogie der Gipfeltreffen in Köln findet ihren Höhe- und gleichzeitig ihren Abschlusspunkt am 18. bis 20. Juni 1999. Zu diesem Anlass treffen sich die sogenannten G-8-Staaten vertreten durch ihre Staatsoberhäupter. Tagungsort ist hierbei das Wallraf-Richartz-Museum/Museum Ludwig, gelegen zwischen Rhein und Dom. Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart bildet den schmückenden Rahmen dieser Veranstaltung und es bleibt sicher eine interessante Frage, wieweit die Politik sich durch eine Umgebung von Wertbeständigkeit den Stempel historischer Bedeutsamkeit gibt oder umgekehrt die Kunstwerke durch die Ereignisse und damit verbundene Medienpräsenz mehr ins Tagesgeschehen gerückt werden. Eine solche Allianz von Kunst und Politik ist nicht neu. Ein paar Säle entfernt von der Tagungsstätte des Bundeskanzlers und seiner Gäste befindet sich ein Bild des flämischen Malers Peter Paul Rubens (1577-1640), der sich zu Lebzeiten in Künstlerkreisen genauso bewegte wie auf dem politischen Parkett. In seiner Funktion als Hofkünstler wurde er nicht nur mit Bildaufträgen beschickt, sondern war ebenso in diplomatischer Mission tätig. Rubens Werk im Wallraf-Richartz-Museum ist eines seiner wenigen Selbstbildnisse und zeigt ihn im Kreise seiner Freunde. Die Kunstgeschichte bezeichnet es als das "Mantuaner Freundschaftbild" und es ist seit 1961 eine Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland an das Museum. Es zeigt monumental im Vordergrund sechs Männer in einer Gruppe vereint, die sich anscheinend nur für den Moment einer Aufnahme dem Betrachter zuwenden, um sich dann wieder ihrem Gespräch zu widmen. Der Bildmittelgrund gibt den Blick frei auf eine Landschaft mit Architektur und See, die in ein dramatisches Licht von rot getaucht ist. Weder Originaltitel noch Auftraggeber des Bildes sind bekannt und nur wenige Fakten zum Bild konnten ausfindig gemacht werden, doch diese zeigen, dass es sich bei diesem Werk um ein grossartiges Programm- und Freundschaftsbild Rubens' handelt. Der Mann mit Blick zum Betrachter ist Rubens selbst mit seinem Bruder Philipp direkt dahinter und dem Antwerpener Philosophen und Humanisten Justus Lipsius. Die Landschaft im Hintergrund ist die Seengegend um Mantua. Rubens war am Hofe des dort ansässigen Fürsten Vincenzo Gonzaga tätig. Die Dreiergruppe auf der linken Seite des Bildes wird unterschiedlich gedeutet, bei allen vermuteten Personen handelt es sich aber immer um befreundete bzw. bekannte Personen des Künstlers. Ein Treffen in dieser Konstellation hat nie stattgefunden und zeigt somit ein Idealbild von Menschen gemeinschaftlicher Interessen. Der Typus dieses Bildes wird als Freundschaftbild bezeichnet und hat seinen Ursprung im sogenannten Familienbild. Heute noch wird der Begriff des "Familienfotos" benutzt, wenn Politiker sich zu einem Gruppenfoto stellen, das dann in den Medien ihr Beisammensein festhält und somit auch das Abbild gemeinsamer Harmonie widergeben soll. Das Wallraf-Richartz-Museum und das Museum Ludwig sind im Besitz einiger der bekanntesten Freundschaftsbilder der Kunstgeschichte und ein Gang durch die Säle zeigt neben Rubens' Bild mit diesem Inhalt auch Werke von: Carl Begas, Johann Anton Ramboux, Ernst Ludwig Kirchner, Max Ernst und A.R. Penck

K. Rodrian