15. August - Fest Mariae Himmelfahrt

Bild der 33. Woche - 10. bis 17. August 1998

Johann Hulsman,, Himmelfahrt Mariens, 1642, Öl auf Leinwand, 430 x 300 cm, Köln, St. Maria Himmelfahrt
Peter Paul Rubens, Himmelfahrt Mariens, um 1614, Öl auf Leinwand 458 x 297 cm. Kunsthistorisches Museum Wien
Peter Paul Rubens, Himmelfahrt Mariens, um 1616, Öl auf Leinwand 500 x 340 cm. Brüssel, Musées Royaux des Beaux-Arts

Eines der wenigen erhaltenen Altarbilder des Kölner Barockmalers Johann Hulsman (nachweisbar von 1628 - 1646) ist das großformatige Gemälde mit der Himmelfahrt Mariens, das sich seit 1974 als Ersatz für das im Krieg zerstörte thematisch gleiche Hauptaltarbild in der Kölner Kirche St. Maria Himmelfahrt befindet. Ursprünglich war das Bild für den St. Laurentiusaltar in der Südkonche von St. Aposteln geschaffen worden, den Johann Adolf Graf Wolff von Metternich um 1642 für 500 Reichstaler gestiftet hatte - wohl als Dank für eine Einigung mit dem Dechanten über eine Grabstätte in der Kirche. Der Stifter notierte an den Rand der Quittung, daß der Altar inklusive des Gemäldes seiner Meinung nach sogar über 1000 Reichstaler wert sei. Johann Hulsman erhielt die damals vergleichsweise hohen Summe von 60 Reichstalern für sein Ölbild, das von dem Gelehrten Aegidius Gelenius bereits im Entstehungsjahr 1642 als Kölner Sehenswürdigkeit erwähnt wird. Kompositorisch zeigt Hulsmans Bild der von Engeln umgebenen, auf Wolken zum Himmel emporschwebenden Heiligen Jungfrau große Nähe zu der Himmelfahrt Mariens, die Rubens um 1614 für die Marienkapelle der ehemaligen Jesuitenkirche in Antwerpen schuf. Hulsmans Bild besitzt sogar annähernd die gleichen Maße. Rubens läßt die Himmelfahrtszene vor dem Hintergrund eines mächtigen Felsengrabes stattfinden, während die Muttergottes eines anderen Rubensgemäldes, daß dieser um 1616 für die Kirche der unbeschuhten Karmeliterinnen in Brüssel malte, einem steinernen Sarkophag entschwebt. Unser Kölner Maler entnimmt motivische Anleihen aus beiden Rubensgemälden, bzw Stichen nach diesen Gemälden, und vereint die unterschiedlichen Elemente zu einer selbständigen Komposition, die er in der oberen Gemäldezone um die beiden Figuren Gottvater und Sohn erweitert: Vor einem mächtigen Felsen, der sich von rechts weit in den Mittelgrund des Bildes schiebt, ragt der geöffnete steinerne Sarkophag schräg nach vorn in den Bildraum. Das Motiv der beiden Frauen am geöffneten Grab, von denen die eine mit fragendem Blick über die Schulter zurückschaut, findet sich bei Hulsman seitenverkehrt auf der rechten Seite des Bildes. Von den Jüngern und Aposteln, die in staunender Ergriffenheit der Szene beiwohnen, sind ein bärtiger Greis als Petrus, der den Gürtel Mariens vorweisende Hl. Thomas und der mit einem roten Umhang als Rückenfigur gegebene Lieblingsjünger Johannes zu erkennen. In der linken unteren Ecke des Gemäldes stellt Hulsman die Familie des Auftraggebers als achtzehnköpfige Figurengruppe dar. Außer dem fromm mit gefalteten Händen zur Muttergottes aufblickenden Stifterpaar und den beiden das Familienwappen präsentierenden Kindern im Vordergrund ist keine der Personen porträthaft abgebildet. Vielmehr beschränkt sich der Maler auf eine mehr oder weniger schematische Wiedergabe ovaler Köpfe. Die strenge Anordnung der in vornehmes Schwarz gekleideten Stifterfamilie steht dabei in merkwürdigem Kontrast zu der dynamischen und farbenfrohen Schilderung der Himmelfahrtsszene. Dies empfand auch ein niederländischer Malerkollege Hulsmans der 1652 in seinem Reisetagebuch notierte: "In der Apostelkirche eine große Himmelfahrt Mariens, lebensgroß, auf der einen Seite sind sehr viele Porträts, das ist das Geschlecht derer, die den Altar hierher gestiftet haben. Dies Stück ist in Haltungen und Kleidung sehr artig, aber da die Porträtierten in moderner Kleidung auftreten, ist die Komposition uneinheitlich."

B. Herrmann