Zum 250. Geburtstag von Ferdinand Franz Wallraf

Bild der 30. Woche - 20. bis 27. Juli 1998

Ferdinand Franz Wallraf

In dieser Woche jährt sich der Geburtstag von Ferdinand Franz Wallraf, dem Stammvater der Kölner Museen, zum 250. mal. Ferdinand Franz Wallraf wurde am 20. Juli 1748 in Köln als Sohn eines Schneidermeisters geboren. Er studierte an der Alten Kölner Universität Philosophie, Theologie und schließlich Medizin, wurde 1772 zum Priester geweiht und lehrte schließlich ab 1784 selbst an die Universität als Professor für Botanik. Im Dezember 1793 wählte man ihn zum Rektor der Universität; dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Absetzung durch die Franzosen im Jahre 1797. In den nächsten Jahren lehrte er Geschichte und Ästhetik an der Ecole Centrale, dem Nachfolgeinstitut der inzwischen aufgelösten Universität. Ferdinand Franz Wallraf (seine Sammlungen bilden den Grundstock fast aller stadtkölnischen Kunst- und Kulturmuseen) war der letzte in einer mehr als 300 Jahre zurückreichenden Reihe gelehrter Kunstsammler Kölns. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts hatte die Stadt eine ständig wachsende Zahl von Sammlern aufzuweisen, die zunächst im Geist des Humanismus römische Altertümer, dann aber auch Kunstwerke der eigenen Zeit zusammentrugen. Ferdinand Franz Wallraf stand im Brennpunkt umfassender historischer Veränderungen: Inmitten der Auflösung traditioneller gesellschaftlicher Wertvorstellungen, die einhergehend mit den Heeren der Französischen Revolution das alte Europa verändern, half er, aus den geretteten Fragmenten der Geschichte die Fundamente eines zukünftigen geistigen Gebäudes zu bereiten. Am Ende des 18. Jahrhunderts schien das Licht der Stadt zu verlöschen; nach ihrer Einnahme durch die französischen Truppen wurden nahezu 40 Kirchen niedergerissen, aus den verbliebenen warf man die Kunstwerke auf die Straße. Schreine wurden eingeschmolzen, Holztafeln verheizt. Bereits seit seinen ersten Berufsjahren hatte Wallraf gesammelt, zunächst durchweg Gegenstände für Lehr- und Anschauungszwecke, dann aber zunehmend Kunstobjekte. Als schließlich die Säkularisierung unzählige Kunstwerke ans Licht brachte, rettete er sammelnd. Allein seinem Idealismus verdanken wir heute, daß wir bewundernd vor den Gemälden Stefan Lochners stehen können. Wallraf war jedoch nicht der einzige, der damals unter unsäglichen Mühen und Opfern in Kirchen und Klöstern rettete, was vom Heiligen Köln zu retten war. Aber er war der erste, der die Zeichen der heraufkommenden neuen Zeit verstand, und vor den Brüdern Boisserée, die dann den Ruhm der Kölner Malerei des Mittelalters in alle Welt hinaustrugen, ist er ausgezeichnet durch die Liebe zur Kunst in seiner Vaterstadt, der er das Gerettete bewahrte. Wallrafs Vermächtnis, das am 18. März 1824 mit seinem Tode der Stadt Köln zufiel, wurde die Grundlage für all das, was sich in den nächsten zwei Jahrhunderten als Kölner Blüte des Museumswesens darstellen sollte. Fast unübersehbar war die Sammlung, die nach Wallrafs Tod in den Besitz der Stadt Köln gelangte. Seine Sitftung umfaßte zu diesem Zeitpunkt 1.616 Gemälde, 521 Handschriften, 488 Urkunden, 3.089 Siegel, 13.248 Bücher, 38.254 Kupferstiche, 3.165 Holzschnitte, 3.875 Zeichnungen, antike Stücke, unzählige geschnittene Steine, Münzen, Fossilien, Mineralien, Glasgemälde, Waffen und vieles andere mehr. Alle nachfolgenden Sammlungen in der Stadt sind seinem Erbe verpflichtet.

R. Budde