Ordnung am Roncalliplatz

Bild der 19. Woche - 7. Mai bis 13. Mai 2018

Heinz Held: Römisch Germanisches Museum, von oben, 1970er Jahre. Silbergelatine-Abzug. Köln, Museum Ludwig (Foto: RBA)

In der letzten Woche hat der Rat der Stadt Köln entschieden, am Roncalliplatz ein neues Museum zu planen. Die "Historische Mitte" soll an der Stelle des Kurienhauses und des dahinter liegenden Verwaltungsgebäudes des Römisch-Germanischen Museums entstehen und zukünftig nicht nur das Diözesanarchiv, sondern auch das Kölnische Stadtmuseum beherbergen. Der Architekt Volker Staab hat dafür Pläne vorgelegt, die in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich, aber in jedem Fall mit viel Leidenschaft diskutiert wurden. Von "hingeküsst" bis "klotzig" reichten die Betitelungen.

Unser Bild der Woche zeigt die Situation, wie sie sich Anfang der 1970er Jahre zeigte. Der Fotograf Heinz Held hatte diese wohlausgewogene Aufnahme vom Dach des Hohen Doms gemacht, der den Platz nach Norden begrenzt. Im Bild sieht man links das Römisch-Germanische Museum, oben das Kurienhaus und in der Mitte die Terrasse des einstigen Museumscafés, an das sich nur noch die älteren Kölnerinnen und Kölner erinnern dürften.

Heinz Held (1918-1990) ist einer der großen Chronisten der Kölner Nachkriegszeit. Seit den späten 1940er Jahren Geschäftsführer einer Kunstgalerie, konzentrierte er sich im Laufe der Jahre zunehmend auf die Fotografie, veröffentlichte mehrere Kunstreiseführer und schuf mit seinen Aufnahmen eine "Magie des Banalen" (so der Titel eines unveröffentlichten Fotobuches).

Dies gilt auch für die Aufnahme dieses so wichtigen Bereichs der Kölner Innenstadt. Das Kurienhaus erhebt sich an jener Stelle, an der im 12. Jahrhundert der Palast der Kölner Erzbischöfe errichtet worden war. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges errichtete Dombaumeister Willy Weyres dort zusammen mit Bernhard Rotterdam einen Zweckbau als Übergangslösung, der nun in die Jahres gekommen ist. Die Hohe Domkirche wird den "Prälatenbunker" abreißen. Held hat es geschafft, die nüchterne Architektursprache des Kurienhauses mit dem Liniensystem der Platzgestaltung und den streng gereihten Tischen des Cafés in Beziehung zu setzen. Optisch werden die Aufbauten auf dem Museumsdach zum Bestandteil der fotografischen Komposition, und auch die Treppenstufen, die hinab zur Römerstraße führen, reagieren auf die strengen Fensterachsen des Kurienhauses.

Es steht zu hoffen, das die nun beschlossene Neugestaltung dieses Platzabschnittes die von Held beschworene Situation wieder herstellt. Derzeit nämlich gibt es weder ein Café noch eine Ordnung auf diesem Teil des Platzes.

M. Hamann