Rosa Rauners Brosche

Bild der 18. Woche - 30. April bis 6. Mai 2018

Brosche des Kölner Vereins für Jüdische Krankenpflegerinnen 1910-1918 aus dem Besitz von Rosa Rauner. Köln, NS-Dokumentationszentrum (EL-DE-Haus), Inv.-Nr. Eo 211 (Foto: RBA)

Eine Brosche - ein Schmuckstück, das vielen wohl erstmal nur noch aus Kindheitserinnerungen bekannt ist, als man behängt mit Omis Schmuckstücken reiche Dame, Prinzessin & Co. spielte. Heute erleben Broschen nicht nur in der Hipsterkultur der Millennials eine Renaissance.

Verändert hat sich dabei sicherlich die Bedeutung: Gelten sie heute lediglich noch als nettes Accessoires, waren es damals in vielen Fällen noch Schmuckstücke von ganz besonderer Bedeutung für ihre Trägerinnen. Oft handelte es sich um Erbstücke über mehrere Generationen, die nicht zuletzt auch zur eigenen Identifikation beitrugen. Zu eben jener diente so wohl auch das abgebildete Stück. 

Die Brosche gehörte der jüdischen Krankenschwester Rosa Rauner, die über 25 Jahre im jüdischen Krankenhaus in Köln arbeitete und mit ihrem Nachlass wesentlich zur Rekonstruktion der Geschichte dieser Institution beitrug. Rosa wurde am 5. Mai 1889 in Hargesheim als Tochter des Kaufmanns Michael Rauner und seiner Ehefrau Theresia geboren. Nach Abschluss ihrer Schulbildung arbeitete sie als Putzarbeiterin und Putzverkäuferin, bis sie im Jahr 1911/1912 schließlich die Ausbildung zur Krankenschwester im Israelitischen Asyl in Köln begann. Nachdem sie im April 1913 erfolgreich ihr Examen abgelegt hatte, arbeitete sie dort in den folgenden Jahren als Stations- und Operationsschwester.

Das jüdische Krankenhaus in Köln gehörte nach seiner Eröffnung im Severinsviertel im Jahre 1869 zu den modernsten Anstalten seiner Zeit. Das überkonfessionell ausgerichtete „Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache“ genoss auch bei Nichtjuden eine große Wertschätzung, und sie machten um die Jahrhundertwende rund achtzig Prozent der Patienten aus. Aufgrund der hohen Auslastung waren die Räumlichkeiten – trotz zweimaliger Erweiterung - alsbald erschöpft. So machte man sich bereits 1890 an die Konzeption eines Neubaus. Dank der Schenkung eines weitläufigen Areals in Ehrenfeld konnte er 1908 umgesetzt werden und entsprach laut dem leitenden Arzt Dr. Benjamin Auerbach (1855-1949) „den höchsten Anforderungen der zeitgenössischen Medizin an Technik und Hygiene“.

Das Kranken- und Infektionshaus, dem ein Alters- und Schwesternheim angegliedert war, blieb bis zum 1. Juni 1942 eine wichtige Instanz. An diesem Tag wurde es von den städtischen Behörden beschlagnahmt und geräumt. Die jüdischen Mitarbeiter, sowie die jüdischen, teils schwerkranken Patienten und Bewohner wurden bis zu ihrer Deportation im Lager Müngersdorf inhaftiert. So gut wie niemand überlebte.

Seit 1929 war Rosa leitende Operationsschwester, emigrierte jedoch während der Zeit des Nationalsozialismus 1939 nach Großbritannien. Bis 1943 stand sie mit ihren ehemaligen Kölner Kolleginnen weiter im Briefwechsel. Die erhaltenen Briefe vermitteln dabei ein eindringliches Bild ihrer Ängste um die Zurückgebliebenen, die Entwicklung des Asyl und der Bewunderung über den Mut der Schwestern. 1947 wanderte Rosa in die USA aus und war dort als Schwester im Jewish Sanatorium and Hospital in Brooklyn tätig. Nach ihrer Pensionierung 1956 zog es sie nach Israel, wo sie schließlich im November 1972 im Alter von 83 Jahren verstarb.

M. Collette