Museumsjuwelen

Bild der 15. Woche - 11. April bis 17. April 2016

Roy Lichtenstein: Large Jewels, 1963. Magna auf Leinwand, H 173, B 91,5 cm, Inv.-Nr. ML 01076 (Foto RBA Köln; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014)

„Es ist schwer, Kunst in Worte zu fassen. Worte greifen immer zu kurz. Sie erscheinen mir falsch, wenn ich sie später wieder lese. Aber nicht ganz falsch. Kurz und gut: Entweder man sieht’s oder man sieht’s nicht.“

Roy Lichtenstein

Was man als erstes vor dem inneren Auge sieht, wenn man den Namen Roy Lichtenstein hört, sind leuchtend-bunte Gemälde, mit Motiven aus Werbung und Comicstrip, wie ein Zeitungsdruck mit Punkten gerastert. Mit diesen plakativen Bildern gelang dem Künstler in den 60er Jahren der Durchbruch, sie wurden zu seinem Markenzeichen. Fortwährend nahmen die Kritiker damals Anstoß daran, dass Lichtenstein triviale Dinge – elektrische Küchengeräte, Zwirnknäuel, Socken oder Comics mit Kriegs- oder Liebesgeschichten – als Sujets für seine Werke verwendete. Er hatte erklärt, sein Werk enthalte keine sozial-politischen Botschaften und er habe nicht vor, den Menschen etwas beizubringen oder die Gesellschaft zu verbessern.

Zugleich sprach er aber von der Notwendigkeit, die Kunst aus der intimen und subjektiven Dimension des Abstrakten Expressionismus herauszuführen. Dieses Ziel verfolgend wählte er als Motiv die Welt, so wie sie in Zeitschriften und Medien meistens präsentiert wird: zweidimensional, bunt, oftmals manipuliert und idealisiert. Besonders die Verwendung von Punktrastern, die auf Reproduktionsverfahren verweisen, brachte die Allgegenwärtigkeit der Massenmedien buchstäblich auf den Punkt und verleiht den Werken gerade im heutigen Zeitalter digitaler Pixel eine anhaltende Aktualität.

Als Vorlage für "Large Jewels" diente ihm der Werbekatalog eines amerikanischen Warenhauses. Lichtenstein geht es in seinen Werken vor allem um die Verbindung zwischen Gegenständlichem und Abstraktem. Auch in diesem Bild herrscht die Abstraktion des Objekts vor, das Erscheinungsbild bleibt jedoch erhalten. Somit erkennt der Betrachter sofort was hier dargestellt ist.

Ein wesentliches Erkennungsmerkmal der Bilder Lichtensteins ist das Punktraster, das er mit Hand und Papierschablonen ausführte. Auch die "Großen Juwelen" sind so entstanden. Zuerst setzte Lichtenstein das Motiv in eine freie Zeichnung um und projizierte diese dann anschließend bis zu 50fach vergrößert auf eine Leinwand. Bei dieser Methode spricht man vom Blow-up-Verfahren. Durch das "Aufblasen" eines kleinen Dings zeigt der Künstler auf, wie ausdruckslos und gefühlsarm die Botschaften der Werbung sind. Lichtenstein sagt: "Es ist diese Indifferenz, diese konventionelle, stereotype und letzten Endes leere Emotion, die ich zeigen will."

Alles andere als indifferent ist die Reaktion der Besucher auf die neue Präsentation der Bestände im Museum Ludwig. Die weltbedeutende Pop Art Sammlung hat ihren Platz nun nicht mehr im Keller, sondern ganz prominent im ersten Obergeschoss. Der Rundgang führt von oben nach unten, wo sich nun die zeitgenössischen Werke befinden. Und inmitten der Pop Art finden sich die "Large Jewels" - Museumsperlen eben.

A. v. Tomaszewski