Wundervolles Krippenbild

Bild der 51. Woche - 22. Dezember bis 28. Dezember 2014

Neapolitanische Krippe, Neapel, 2. Hälfte 18. Jahrhundert, Diözesanmuseum Freising, Inv.-Nr. D 8647 bis D 86116, Detailansicht
Foto: Sabrina Walz, Rheinisches Bildarchiv, Köln

Neapolitanische Krippe, Neapel, 2. Hälfte 18. Jahrhundert, Diözesanmuseum Freising, Inv.-Nr. D 8647 bis D 86116, Detailansicht
Foto: Sabrina Walz, Rheinisches Bildarchiv, Köln

Neapolitanische Krippe, Neapel, 2. Hälfte 18. Jahrhundert, Diözesanmuseum Freising, Inv.-Nr. D 8647 bis D 86116, Detailansicht
Foto: Sabrina Walz, Rheinisches Bildarchiv, Köln

In der aktuellen Sonderausstellung „Die Heiligen Drei Könige. Mythos, Kunst und Kult“ im Museum Schnütgen ist derzeit ein ganz besonderes Exponat zu entdecken: eine vielfigurige Neapolitanische Weihnachtskrippe, bestehend aus 135 Menschen und 73 Tieren, bildet den Abschluss und einen prächtigen Höhepunkt des Ausstellungsrundgangs.

Die Weihnachtskrippe erlebte in Neapel im 18. Jahrhundert ihre künstlerische Blütezeit, insbesondere befördert durch die als Vizekönige von Neapel und Sizilien eingesetzten spanischen Bourbonen, die die Beschäftigung mit dem Krippenbau als eine Form der christlichen Andacht betrachteten. Fast alle am Hofe beschäftigten Künstler – vom Bildhauer über die Modelleure der Porzellanmanufaktur bis hin zu den Leinwebern, Seidenstickern und Goldschmieden – waren in den Herstellungsprozess jener luxuriösen Figuren und Gegenstände en miniature eingebunden. Sie wurden im Dezember in Kirchen und Palästen vor großartigen Panoramakulissen aufgestellt, wodurch alljährlich ein regelrechter Wettbewerb um die schönste und originellste Krippe entbrannte.

Die Freisinger Krippe gehört zu den wenigen, bei denen die reiche Gewandung und Ausstaffierung original erhalten ist. Dazu gehören u.a. Gewänder aus leuchtenden Seidenstoffen, bestickt mit Goldfäden und Perlen, echte, kleine Schmuckstücke sowie über 350 sogenannten finimenti – bis ins kleinste nachgebaute Musikinstrumenten, Geschirr, Marktkörben usw. – , die zur naturgetreuen, realistischen Nachbildung des Lebens in größtmöglicher Perfektion unabdingbar dazu gehören. Sie beleben den traditionell mehrszenigen Aufbau aus der Verkündigung der Geburt Christi an die Hirten als pastorales Vorspiel (gefeiert am 25. Dezember), der Anbetung des Christuskindes durch die Heiligen Drei Könige (im südlichen Festbrauch als Hauptereignis am 6. Januar gefeiert) mit ihrem prächtigen Gefolge und die Reaktionen der reichen und armen Bewohner Bethlehems auf diesen königlichen Zug (verlegt in die neapolitanische Stadtkulisse). Gerade in der letzten Szene boten sich den Künstlern schier unbegrenzte Möglichkeiten, ausdrucksstarke Figuren zu schaffen, die einen besonderen Reiz jener Krippen ausmachen, da sie an die Emotionen der Betrachter appellieren – damals und heute.

Noch bis zum 25. Januar wird die Neapolitanische Krippe aus dem Diözesanmuseum Freising im Museum Schnütgen nun in einer neu erschaffenen, 8 x 3,50 m großen Krippenkulisse präsentiert.

I. Metje