Venite adoremus

Bild der 44. Woche - 3. November bis 9. November 2014

Meister Arnt von Kalkar und Zwolle († 1492), Niederrhein, 1480-85, Anbetung der Heiligen Drei Könige, Eichenholz, farbig gefasst, H: 137 cm, B: 101 cm, T: 40 cm, Museum Schnütgen, Köln, Inv.-Nr. A 1082

Die Heiligen Drei Könige – kaum einer, der sie nicht kennt. Wer hat sie nicht als Kind mit großen Augen inmitten der Krippenfiguren im Glanz des feierlich erleuchteten Kirchenraumes bewundert? Schwer konnte man sich satt sehen an den vielen Figuren in ihren schmuckvollen Gewändern, an Maria, Josef und dem Jesuskind, an den Tieren, an dem großen Gefolge und schließlich an den drei Königen selbst, die von weither – vom Stern geführt – gekommen waren, um dem neuen König der Juden zu huldigen und ihm ihre Gaben darzubringen.

In der kürzlich eröffneten Sonderausstellung „Die Heiligen Drei Könige. Mythos, Kunst und Kult“ (25.10.2014 – 25.1.2015) widmet sich das Museum Schnütgen diesem besonderen Thema. Aber auch in der ständigen Schausammlung des Museums befinden sich einige hochkarätige Dreikönigsdarstellungen, darunter dieses spätmittelalterliche Eichenholzrelief des Bildschnitzers Arnt von Kalkar und Zwolle.

Als seien sie verlebendigt, scheinen die Gestalten der Weihnachtsgeschichte dem Betrachter fast entgegen zu kommen, so plastisch sind die farbig bemalten Figuren aus dem Holz herausgeschnitzt. Ein großer Zug exotisch anmutender Gefolgsleute steigt gerade einen abenteuerlich steilen Abhang hinunter, während ihre Herren, Kaspar, Melchior und Balthasar, bereits die Mutter mit ihrem neugeborenen Kind umringen. Diese thront vor einem offenbar baufälligen Stall, wo Josef, zwei Schäfer sowie Ochs und Esel der Szene beiwohnen. Alle Figuren scheinen von Bewegung ergriffen.

Die im ausgehenden Mittelalter in der Kunst zunehmend zu beobachtende Individualisierung von Figuren lässt sich bei den Dargestellten gut beobachten: Die Könige sind deutlich als Repräsentanten der drei Lebensalter erkennbar. Fromm und ehrfürchtig erscheint der älteste König, der wie ein Stifter in betender Haltung zur Rechten Mariens kniet. Der zweite König, ein Mann mittleren Alters mit einer kunstvoll gelockten Langhaarfrisur, kniet vor dem Jesuskind und ergreift sanft seine Hand. Der Blick des Kindes ist dem dritten König zugewandt. Der jüngste König ist mit seiner dunkeln Hautfarbe als Vertreter Afrikas dargestellt. Nach mittelalterlichem Verständnis standen die drei Könige nicht nur stellvertretend für die menschlichen Lebensalter, sondern auch für die damals bekannten Kontinente: Europa, Asien und Afrika. Mit einer weit ausholenden Geste ist der schwarze König, der in ein extravagantes Gewand gekleidet ist, im Begriff seine Krone abzunehmen, um dem Jesuskind seine Ehrerbietung entgegen zu bringen. Der rechte Arm der kunstvoll geschnitzten Königsfigur ragt dabei über den Bildrand des Reliefs hinaus und betont nochmals die bühnenhafte Inszenierung dieser außergewöhnlichen Dreikönigsanbetung.

J. Beutner