100 Jahre „Werkbundplakat“

Bild der 20. Woche - 19. Mai bis 25. Mai 2014

Fritz Helmuth Ehmcke (1878-1965), sign., München
Plakat für die Deutsche Werkbund-Ausstellung in Köln – 1914
Farblithographie; 89,5 cm x 63,5 cm
Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv. Nr. Ov 184

Am 16. Mai 1914 wurde am Deutzer Rheinufer, wo sich heute KölnMesse und Rheinpark befinden, die „Deutsche Werkbundausstellung“ eröffnet. Sieben Jahre nach Gründung des Werkbundes kam es insbesondere auf Betreiben des Kölner Beigeordneten und Werkbund-Mitglieds Carl Rehorst (1866-1919) und des Oberbürgermeisters Max Wallraf (1859-1941) zu dieser ersten Leistungssschau. Die große Freifläche nördlich der Hohenzollernbrücke, die aus militärischen Gründen bislang unbebaut geblieben war, umfasste 350.000 m2 und insgesamt wurde die enorme Summe von fast 5 Millionen Reichsmark in die Ausstellung investiert.

Besonders drei Bauten wurden schon zur damaligen Zeit als wegweisend erkannt: Zum einen das Werkbund-Theater Henry van de Veldes, das erst am 18. Juni eröffnet werden konnte, dann das Büro- und Fabrikgebäude von Walter Gropius sowie der Glaspavillon von Bruno Taut.

Der Künstler des Ausstellungsplakats war Fritz Helmuth Ehmcke, der zu der Zeit an der Kunstgewerbeschule in München arbeitete. 1878 in Hohensalza (dem heute polnischen Inowrocław) geboren, hatte Ehmcke zunächst in Berlin eine Lehre als Lithograf absolviert. Von 1899 bis 1901 studierte er an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin, einer der Vorgängerinstitutionen der heutigen Universität der Künste Berlin (UdK). Bevor er nach München ging, hatte er seit 1903 an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf gelehrt. Von 1946 bis 1948 war er Professor an der Hochschule für bildende Künste München. Ehmcke starb 1965 in Widdersberg in Oberbayern.

Im Mittelpunkt des Schaffens von Fritz Helmuth Ehmcke standen die Buchgestaltung und die Typographie. 1900 war er Mitbegründer der Steglitzer Werkstatt, einer Druckwerkstatt, die sich als Gegenbewegung zur Jugendstiltypographie verstand und deren bekanntestes Erzeugnis die „Ullstein-Eule“ ist. Ab 1907 schuf Ehmcke verschiedene Antiqua- und Frakturschriften, deren bekannteste, die „Ehmcke Antiqua“ (1907/09), auch im Werkbundplakat anklingt. Sie hat sogar den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft und ist unter dem namen „Carlton“ heute für den PC erhältlich. Für seine Verdienste im Bereich der Typographie erhielt Ehmcke 1963 den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig.

Die Kölner Werkbund-Ausstellung wurde leider ein finanzielles Desaster: Zwar hatte sie eine Million Besucher, aber der Beginn des Ersten Weltkriegs machte dem Erfolg einen Strich durch die Rechnung. Bereits am 8. August wurde die Ausstellung vorzeitig geschlossen. Ein Großteil der Gebäude wurde vom Militär beschlagnahmt und diente für die Dauer des Krieges als Kaserne, Lazarett oder Pferdestall.

T. Wüstenbecker