Colonia Agrippina Nobilis Ubiorum Urbs

Bild der 19. Woche - 12. Mai bis 18. Mai 2014

Wenzel Hollar
Große Ansicht der Stadt Köln – 1635
Radierung (von 12 Platten gedruckt); 63 x 156 cm (auf 9 montierten Blättern)
Kölnisches Stadtmuseum

1632 begann Wenzel Hollar eine erste Fassung der großen Ansicht der Stadt Köln, die Deutz noch ohne die nach dem schwedischen Einfall im Dezember 1632 errichtete Befestigung zeigt. Das erstmals um die Jahreswende 1632/33 erwähnte Kriegsschiff auf dem Rhein hingegen ist schon berücksichtigt. Die komplette Ansicht muss spätestens 1636 vollendet gewesen sein, da Hollar damals Köln verließ und nur auf dem Rückweg Ende des Jahres noch einmal in Köln Station machte.

Wenzeslaus bzw. Wenzel Hollar wurde als Sohn einer protestantischen Familie 1607 in Prag geboren. Im Zuge der Verfolgungen der Protestanten nach den katholischen Siegen in Böhmen begab er sich auf Wanderschaft. Sein Weg führte ihn in die – protestantischen – Städte Stuttgart, Straßburg und Frankfurt/Main. 1632 bis 1636 hielt er sich in Köln auf, bevor er in den Dienst des Thomas Lord Howard, Earl of Arundel and Surrey, Sonderbotschafter des englischen Königs Charles I., trat und diesen bei dessen diplomatischer Reise zum Regensburger Kurfürstentag begleitete. Anschließend ging er mit ihm als besoldeter „Hauskünstler“ nach England, unterbrochen von einem Exil 1644 bis 1652 in Antwerpen. Hollar, der irgendwann zwischen 1641 und 1644 doch noch zum Katholizismus konvertierte, starb 1677 in Westminster.

Der ursprüngliche Auftraggeber der repräsentativen Stadtansicht war Abraham Hogenberg gewesen, aber die Ansicht wurde erst 1656 von Gerhard Altzenbach veröffentlicht. Von Hogenbergs Fassung hat es wohl nur nicht erhaltene Probeabzüge gegeben. Altzenbach, ein äußerst umtriebiger Verleger, widmete die erste Ausgabe dem Magistrat der Stadt Köln. Dafür erhielt der Verleger üblicherweise nicht nur eine finanzielle Belohnung, viel wichtiger war das anschließende Druckprivileg. Das für den Druck vorgesehene Exemplar aus sechzehn Druckplatten, darunter der zwölfspaltige Typentext, umfasste allerdings nicht nur die Köln-Ansicht, sondern zeigte im Vordergrund auch das befestigte Deutz aus der Zeit von 1632/33. Die Befestigung war jedoch 1641 schon wieder beseitigt worden. Darum musste Altzenbach eine Erläuterung hinzufügen. Daneben ließ er auch kleinere Änderungen vornehmen – statt acht finden sich zehn Mühlen auf dem Rhein und dort, wo nun die Ruine eines Rundturms am Deutzer Ufer zu sehen ist, stand vormals der steinerne Deutzer Kran. Und erst Altzenbach hat seine eigene Verlagsadresse und den Namen des Künstlers stechen lassen.

Anders als die Papierdrucke wurden Kupferplatten aufgehoben und nicht selten weiter veräußert. Der neue Verleger löschte die alte Adresse, um sie durch seinen Namen zu ersetzen. Stark abgenutzte Platten wurden gerne neu aufgestochen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gelangten die erhaltenen vier Platten mit der Kölner Stadtansicht und einem kleinen Teil von Deutz sowie einem Fries der Gaffelwappen in den Besitz des Kölner Stechers und Verlegers Everhard Goffart. Später gibt sie Jacob Goffart heraus. Als die Stadt sich 1723 ein neues großes Stadtbanner zulegte, zierte Hollars Stadtansicht das Zentrum des heute im Kölnischen Stadtmuseums gezeigten Banners. Seit 1964 gehören auch die Druckplatten zum Bestand des Kölnischen Stadtmuseums.

R. Wagner