Raffael Becker – Farbensprühender Alltag mit 90

Bild der 11. Woche - 12. bis 18. März 2012

Raffael Becker, Kölner Weihnachtsmarkt, 1989, Ölgemälde mit Acryl, Collagen und Gold auf Holz, 135,5 x 90 cm, Kölnisches Stadtmuseum – Geschenk der IG Weihnachtsmarkt

Raffael Becker fühlt sich der mittelalterlichen Malerei verbunden. Abgesehen davon, dass seine Bildträger oft aus Holz sind, verwendet er auf vielen seiner Gemälde Blattgold, wie es auch für die Altkölner Malerei typisch ist. Sein „Weihnachtsmarkt“ von 1989 zeigt deutlich Anklänge an Gemälde des Mittelalters. Zusammen mit dem goldfarbenen Himmel, womit Becker bestimmt allen Anforderungen der Kölner Malerzunft hinsichtlich der Verwendung von Blattgold gerecht geworden wäre, weist auch der rundbogige Abschluss in die altkölnische Richtung. Der Betrachter erwartet eigentlich noch Flügel, ähnlich wie bei anderen Gemälden Beckers. Mit den Türmen von Groß St. Martin und Dom blickt die Kirche St. Aposteln auf das irdische Treiben auf Neumarkt und Altermarkt – 1989 die einzigen Weinachtsmärkte in Köln – herab. Auf gleicher Ebene wie die Betrachter stehen hingegen die Figuren des hl. Nikolaus in seiner bischöflichen Tracht und eines riesigen Nussknackers als weihnachtliche Symbole, Ohne diese beiden und einige versteckte Weihnachtsbuden wäre der Weihnachtsmarkt nicht von einem Jahrmarkt zu unterscheiden. Hier zeigt sich Beckers ironische Sichtweise, er möchte mit seinen farbensprühend alltäglichen Szenen den Betrachter verwirren und gleichzeitig aufklären. Seit der Wiedereröffnung des Kölnischen Stadtmuseum1984 hängt direkt am Eingang Beckers Karnevalstriptychon „Weiberfastnacht – Rosenmontag – Aschermittwoch“ von 1974 als Dauerleihgabe der Kreissparkasse Köln. Hier gelingt es ihm meisterhaft, all das zusammenzufassen, was den Kölner Karneval ausmacht: die Masken und die „dicke Trumm“ an Weiberfastnacht, das ausgelassene Treiben an Rosenmontag, wo der Prinz über den jubelnden Massen und schunkelnden Altstadthäusern zu schweben scheint, der Ausklang am Karnevalsdienstag mit der Nubbelverbrennung und nicht zuletzt der Katzenjammer am Aschermittwoch – und dies in Gestalt eines Triptychons, das doch eher an mittelalterliche Tafelmalerei mit ihren frommen Motiven gemahnt. Der Kölner Künstler Raffael Becker, der diese Woche am 16. März seinen 90. Geburtstag feiert, widmet sich gerne und ausgiebig Themen aus dem Leben seiner Heimatstadt. Neben der Lehre als Dekorationmaler besuchte er eine Werbefachschule und Kurse im Aktzeichnen. 1940/41 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie und arbeitete im Maleratelier seines Vaters Rafael (sen.). Auch als Soldat widmete er sich in den folgenden Jahren seiner Kunst und brachte eine Reihe von Studien und Skizzen mit zurück. In seiner zerstörten Heimatstadt fertigte er 1946/47 zahlreiche Skizzen vom Alltagsleben, die vom 1. Juni bis zum 29. Juli im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen sein werden. Raffael Becker, der sich bis vor wenigen Jahren Raffael Becker jun. nannte, entwirft auch seit einigen Sessionen die jährlichen Urkunden für die Preisträger der Schull- und Veedelszöch, die vom Verein der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e. V. verliehen werden.

R. Wagner