Verbotener Karneval

Bild der 8. Woche - 20. bis 26. Februar 2012

Heinz Kroh: Verbotener Karneval, 1923/26, Öl auf Leinwand, 55,5 x 80 cm, Kölnisches Stadtmuseum.

Karneval verboten – in Köln? Kann das sein? In der Tat gab es im Laufe der Geschichte immer wieder Einschränkungen und Verbote – richtig verboten war der Karneval in Zeiten der französischen Besetzung nach 1796 bis 1799 und der britischen Besetzung nach dem Ersten Weltkrieg. Während es in französischer Zeit trotzdem immer wieder zu närrischem Trubel kam, war jegliche Form des öffentlichen wie des Straßenkarnevals unter dem Union Jack untersagt. Lediglich private Zusammenkünfte wurden geduldet. Während des ganzen Krieges hatte es keine öffentlichen Lustbarkeiten gegeben, ohne dass Karnevalfeiern explizit verboten gewesen wäre. Als aber am 6. Dezember 1918 die Briten Köln besetzten, verhängte die Besatzungsmacht mit dem Hinweis auf den „Ernst der Lage“ ein allgemeines Karnevalsverbot, das in den Folgejahren regelmäßig erneuert wurde. Lediglich zu privaten, „stillen“ Zusammenkünften durfte man sich treffen. Erst 1925 waren öffentliche karnevalistische Veranstaltungen, Sitzungen und Maskenbälle wieder erlaubt. Während die organisierten Karnevalisten eine Aufhebung des Verbots betrieben, hielt die Kölner Stadtverwaltung ausgelassenes Feiern angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage weiterhin für unangemessen. Nachdem Ende Januar 1926 die britischen Truppen Köln endgültig verlassen hatten, konnte Prinz Adalbert (Oster) Rosenmontag 1926 in einem vierspännigen, offenen Wagen durch die Stadt fahren und am 28. Februar 1927 war unter Beibehaltung des Verbots des Straßenkarnevals als erster Rosenmontagszug nach 1914 auch eine Kappenfahrt unter dem Motto „Die alte und die neue Zeit“ möglich. Und doch zeigt uns Heinz Kroh auf diesem zwischen 1923 und 1926 entstandenen Bild, dass auch damals Narren lautstark durch die Stadt zogen, der rheinische Jeck, insbesondere in seiner kölschen Ausprägung, wird in solchen Momenten zum Anarchisten. Sind auch die meisten Beteiligten nicht kostümiert, so sind doch Clowns zu erkennen und es ist ganz offensichtlich, dass die recht große Truppe auch ziemlich viel Lärm macht, vorneweg eine Becken schlagende Frau. Selbst ein britischer Offizier ist in der Menge der Feiernden auszumachen. Heinz Kroh wurde 1881 in Deutz geboren. Er absolvierte eine Schlosserlehre bei der Gasmotorenfabrik Deutz als Vorbereitung auf ein Ingenieurstudium, übte sich daneben aber autodidaktisch in zeichnerischem Arbeiten. Sein Talent fiel auf und so konnte er von 1904 bis 1909 dank eines von Direktor Fritz Stein (GFD) vermittelten Stipendiums die Kunstakademie in Düsseldorf besuchen. Von dort zog es ihn nach München, wo er bis 1912 die Akademie besuchte. Seit dieser Zeit, in der sich mit der niederländischen Malerei beschäftigt hatte, war Kroh fasziniert vom prallen Kölner Volksleben, das für ihn in flämischer Tradition stand. Während des Ersten Weltkriegs war er Sanitäter in Belgien, anschließend bis 1920 im pommer’schen Stolp als freischaffender Maler tätig. Danach findet man ihn wieder in Köln, wo er relativ spät mit seiner erheblich jüngeren Frau eine Familie gründete. 1943 folgte er Frau und Tochter auf der Flucht vor dem Bombenkrieg nach Berleburg. Erst 1953 kehrte er nach Köln zurück. Hier verließ ihn allmählich seine Schaffenskraft. 1966 zog er mit seiner Ehefrau in deren Heimatstadt Dortmund, wo er vor vierzig Jahren im Juli 1972 verstarb.

R. Wagner