Echt Kölnisch Wasser - seit 300 Jahren eine Marke

Bild der 28. Woche - 13. bis 20. Juli 2009

Johann Maria Farina Kopie von Erich Getka 1941 Öl auf Leinwand, 85 cm x 67,5 cm Köln, Kölnisches Stadtmuseum

Giovanni Maria Farina (Santa Maria Maggiore bei Mailand 1685–1766 Köln) arbeitete zunächst in der Maastrichter Niederlassung seines gleichnamigen Onkels, der im ausgehenden 17. Jahrhundert die Heimat verlassen hatte. 1714 trat Johann Maria Farina in das Kölner Kommissions- und Speditionsgeschäft seines Bruders Johann Baptist (1683–1732) ein, das dieser zusammen mit einem Laden für Galanterie- und Seidenwaren („Französisch Kram“, d. h. Luxuswaren aller Art) an der Ecke Unter Goldschmied/Große Budengasse am 13. Juli 1709 – also vor 300 Jahren – eröffnet hatte. Die Brüder Farina produzierten nun auch ein „aqua mirabilis“, welches sein Kreateur Johann Maria schon 1708 so beschrieb: „Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich, stärkt meine Sinne und Phantasie.“ Nach seiner Originalrezeptur wird bis heute Farinas Eau de Cologne hergestellt. 1723 zogen die Fratelli (Gebrüder) Farina in das Haus „Zum Morion“ an Obenmarspforten, gegenüber dem Gülichsplatz, einer der vornehmsten Adressen der Stadt. Johann Maria, der unverheiratet blieb, erwarb 1735 das große Kölner Bürgerrecht. Wie auf dem Porträt, einer Kopie nach dem im Krieg verbrannten Original, gut zu erkennen, pflegte er einen ausgeprägten Rokokostil auch in seinem Äußeren. Nach seinem Tode erhielt die Firma, die sein gleichnamiger Neffe erbte, den Namen „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz“. Im Laufe des 18. Jahrhunderts gewann das teure Eau de Cologne oder Kölnisch Wasser, wie man es nun nannte, zahlreiche Freunde im europäischen Hochadel und bei anderen Begüterten. Hilfreich waren sicherlich dabei auch die zahlreichen Proben, die die Fratelli Farina großzügig verschickten. Für den oft langen und schwierigen Transport wurde das Parfum in längliche Glasflaschen, Rosolien“, gefüllt. Spätestens 1836 setzte sich die stehende Flasche durch. 1912 entwarf Wassily Kandinsky einen eckigen Herren-Flakon. 1924 führte Farina die rote Tulpe als Warenzeichen ein. War Farinas Eau de Cologne anfänglich einzigartig, rief sein Erfolg bald schon Nachahmer auf den Plan, gegen die sich die Firma mit der Bezeichnung „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz“ zu schützen versuchte. Besonders die Einführung der Gewerbefreiheit 1797 ließ die Eau de Cologne-Produktion über die Maßen anwachsen. Einen Produktschutz gab es nicht. Zudem war der Name Farina („Mehl“) ein sehr verbreiteter italienischer Name, den sich einige der Produzenten zulegten. Besonders zu erwähnen ist hier Franz Carl Farina aus Bonn, der Wilhelm Mülhens eine originale Rezeptur des Eau de Cologne verkauft haben soll. Aber es war eher umgekehrt – Mülhens erkaufte sich für sein Wasser den Namen Farina, den er an 30 Personen weiterveräußerte, die alle Kölnisch-Wasser-Fabriken unter der Bezeichnung „Farina“ gründeten und sich zudem noch ein „gegenüber“ zulegten. Nachdem der Deutsche Reichstag 1874 ein Markenschutzgesetz verabschiedet hatte, reichte Johann Maria Farina Klage ein. Seit 1876 ist der Name gesetzlich geschützt. Und aus der konkurierenden Mülhens’schen Farinamarke wurde 4711.

R. Wagner