Falscher Monet enttarnt

Bild der 7. Woche - 18. bis 24. Februar 2008

ehemals als Claude Monet bezeichnet, Seinelandschaft / Am Ufer der Seine bei Port-Villez entstanden vor 1921, 66,7 x 82,5 cm Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 2949

Wird die Fälschung eines Kunstwerkes aufgedeckt, so ist dies um so spektakulärer je bekannter und bedeutender der nachgeahmte Künstler ist. Immer mal wieder gehen derartige Meldungen mit großen Namen durch die Medien. Mal wurden zeitgenössische Werke durch Manipulation etwa der Signatur "größeren" Namen zugeschrieben, mal wurden jedoch auch Werke im Stile des Meisters "nachgeschaffen". Der Reiz, vom hohen Preis der Werke des betroffenen Malers zu profitieren, scheint oft größer gewesen zu sein als die Angst vor der Entdeckung. War es immer schon ein Risiko, Werke lebender Maler zu fälschen (so ist z. B. Salvador Dalí einer der meistgefälschten Künstler des 20. Jahrhunderts), da hier der Meister selbst Auskunft über Echtheit geben kann, so hat sich auch das Fälschen älterer Autoren zu einem hohen Risiko entwickelt. Einerseits wurden und werden die Werkbestände berühmter Maler – wie z. B. Rembrandt und van Gogh – durch eine Gesamtbetrachtung einer kritischen Begutachtung unterzogen und damit die Spreu vom Weizen getrennt. Andererseits hat sich die Kunstwissenschaft eng mit neuen naturwissenschaftlichen Techniken und den detailreichen Erkenntnissen verbunden, die in verschiedenen Restaurierungswerkstätten in den letzten Jahren zusammengetragen wurden. In der letzten Woche verbreitete nun auch das Kölner Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud die Nachricht der Entdeckung eines falschen Monets. In einem groß angelegten Forschungsprojekt zur Untersuchung der impressionistischen und postimpressionistischen Maltechnik wurden von den hausinternen Restauratoren in Zusammenarbeit mit dem Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) der Fachhochschule Köln Erkenntnisse ermittelt, die nun – sozusagen nebenbei - Fälschungen zu erkennen helfen. Es wurden sowohl die Materialien der Impressionisten untersucht (von der Struktur, Form und Herkunft der Bildträger bis hin zur Zusammensetzung der Malfarben) als auch mit detektivischem Spürsinn die Malweise der einzelnen Künstler, ihre künstlerischen Gewohnheiten und Vorlieben. Auf dieser Grundlage nun waren die Restauratoreninnen in der Lage, den in unserem Fall bereits von wenigen Kunsthistorikern geäußerten Echtheitszweifeln eindeutige Beweise für eine Fälschung folgen zu lassen. Da dieses auf das Jahr 1885 datierte Bild sogar Eingang in das erst jüngst überarbeitete Werkverzeichnis Monets fand, schien der Fälscher zunächst alles richtig gemacht zu haben. Es ist durch Herkunftsrecherchen nachweisbar, daß das Gemälde 1921 von einer englischen Kunsthändlerin bei einer Galerie in Luzern eingeliefert wurde, also zu Lebzeiten Monets (gest. 1926) entstanden sein muß. Ferner zeigt es ein Motiv, welches bereits von Monet gemalt wurde. Gerade bei den Impressionisten und insbesondere bei Monet findet man die unterschiedlichsten Variationen eines Motives, also auch dies nichts ungewöhnliches. Trotz dieser "Echtheitsmerkmale" äußerte der Monetexperte John House vor wenigen Jahren erste Zweifel an der Eigenhändigkeit Monets, als er die Farbigkeit und die Malweise unseres Bildes als "untypisch" für Monet bezeichnete. Sicherheit brachte dann jedoch schnell die kunsttechnologische Untersuchung des Werkes, überraschend schnell, wie es den beteiligten Restauratoreninnen erschien. Mit bloßem Auge ließ sich feststellen, dass die Leinwand im umgeschlagenen Randbereich mit einer braunen Lasur eingetönt wurde. Dies ist eine von Fälschern gern gewählte Maßnahme, um eine gewisse Alterung durch Schmutzablagerung vorzutäuschen. Eine ähnliche Behandlung erfuhr auch der Keilrahmen, auf dem die Leinwand aufgespannt ist und der sich sowohl in seiner Holzart als auch Konstruktion von den damals zeitgenössischen Rahmentypen unterscheidet. Das Bildformat selbst weicht mit den Maßen von 67 x 83 cm nicht nur von den französischen Standardformaten ab, sondern übersteigt auch in Höhe und Breite jeweils um 2 cm das Bildmaß des vermeintlichen Pendants. Als noch kurioser erwies sich die Unterzeichnung des Kölner Bildes, die mit Hilfe infraroter Strahlen sichtbar gemacht wurde. Mit blauem Stift sind alle Details sorgfältig, zum Teil sogar zweifach vorgezeichnet. Dass dabei selbst die Formen der hellen Wolken mit dem Stift umfahren wurden, darf als Indiz für einen unsicheren und suchenden Maler gewertet werden. Keinesfalls passt diese Art der Unterzeichnung zu Monet, von dem wir wissen, dass ihm oft nur wenige Markierungslinien mit Kohle zur Bildplanung ausreichten. Und schließlich ist es tatsächlich die Art der Farbaufträge, die sich in Monets Schaffen nicht einfügen lässt. Der mannigfaltige Einsatz des Spachtels, mit dem die Farben ausgebreitet und im Wechsel von Pinselaufträgen dicht ineinander gewoben wurden, bezeugt auch hier ein unsicheres Vorgehen. Immer wieder schürfen die einzelnen Spachtelzüge bereits aufgetragenes Farbmaterial ab, gefolgt von Farbaufträgen, die eher diffus als selbstsicher erscheinen. Auch wenn Monet bereits Mitte der 1860er Jahre zum Spachtel griff, so scheint er von diesem Werkzeug in den nachfolgenden Jahren kaum mehr Gebrauch gemacht zu haben. Bei seinen Gemälden aus den 1880er Jahren ist die Verwendung des Spachtels bislang überhaupt nicht nachgewiesen worden, schon gar nicht in dieser dominanten Form. Schließlich weist auch die Signatur Auffälligkeiten auf. Man könnte durchaus eine zögernde Ungewissheit darin sehen, wenn die ersten drei Buchstaben seines Vornamens zunächst zaghaft mit dünner grauer Pinselschrift angelegt wurden, bevor sie nachfolgend mit brauner Farbe übergangen wurden und dann erst zur Ausführung des vollständigen Namenszuges führten. Der noch im frischen Zustand der Malerei erfolgte Auftrag der Signatur zeugt eindeutig von einer fälschenden Absicht. K. Lewerentz / C. v. Saint-George / I. Schaefer / T. Nagel